XVII. fNovellisrik
die vier Bände des Salon, die in den Jahren 1834—40^perschienen, hat Heine mehrere nichtpolitische, in der Hauptsachenovellistische Schriften aufgenommen. Es geschah nicht aus eineminnern Bedürfnis, sondern aus äußern Gründen. Bücher überzwanzig Bogen unterlagen bis 1835 keiner Vorzensur, und er„schmiß" daher, wie sein eigner Ausdruck lautet, in die Bändehinein, was er gerade unter seinen Beständen für geeignet hielt,um den nötigen Umfang zu erreichen. Später wurde die Zensurauf alle, zum mindesten auf alle seine Schriften ausgedehnt, undda lag ihm daran, innerhalb der einzelnen Bände ein Gleichgewichtzwischen gefährlichen und „zahmen" Stücken herzustellen, in derHoffnung, die Schere des Zensors durch die einen für die andernmilder zu stimmen. Die Herausgabe dieser novellistischen Werkeerfolgte also aus und nach praktischen Bedürfnissen.
Das älteste von ihnen, wenn es auch erst im letzten Bande des„Salon" gedruckt wurde, ist der „Rabbi von Bacharach" (IV, 445).Wir haben den Titel schon früher erwähnt, in einer Epoche, die längsthinter dem Dichter lag. Die Anregung zu dem Roman erhielt erdamals, als er dem Verein für das Judentum als eifriges Mit-glied angehörte und mit Zunz, Moser und Gans für die Erneuerungder Religion seiner Väter schwärmte. Er, als der Dichter in diesemKreise, fühlte sich berufen, das große Weh, das Israel durchs dieJahrhunderte erduldet hatte, zur Poesie zu erheben und dem großen„Judenschmerz" ein unsterbliches Denkmal zu setzen. Dieser Ge-danke kommt in der kleinen poetischen Widmung des Werkes zumAusdruck:
Brich aus in lauten Klagen,du düstres Martyrerlied,das ich so lang getragenim flammcnstillen Gemüt!
Es dringt in alle Ohren,und durch die Ohren ins Herz;