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XVI. Häusliche Sorgen
ließ sich von Fremden leicht anpumpen oder sogar bereden, fürsie eine Bürgschaft zu übernehmen. Er war schon als einzelnernie auf einen grünen Zweig gekommen, wie sollte es zu zweienwerden? Dies Dichterleben ist eine Kette von Geldverlegenheiten,die nicht abreißen. Auf der einen Seite Campe, dem er jedenPfennig abtrotzen muß, auf der andern Mathilde, die immer neueWünsche hat, und zwischen diesen beiden Mühlsteinen der Dichter,der von ihnen zermürbt wird.
Der beständige Geldbedarf wirkte natürlich auf sein Schaffenein. Er versetzte ihn in eine gereizte, verbitterte Stimmung. Vieleder Heineschen Gehässigkeiten sind ans Rechnung dieser ewigenMisere zu setzen. Ein Mann, der sich bei jedem Werk überlegenmuß, wieviel verdiene ich damit? kann nicht frei, kann nichtharmonisch arbeiten. Er ist gezwungen, seine Schriften aus derHand zu geben, ehe sie fertig, d. h. innerlich ausgereift sind. Ermuß Sachen verkaufen, die er noch gar nicht geschrieben hat, odermuß sie schreiben, weil das Honorar schon aufgezehrt ist. DiesesSchriftstellerelend hat Heine bis zur Hefe ausgekostet. Manchesseiner Werke wäre anders ausgefallen oder vielleicht sogar un-geschrieben geblieben ohne den Druck der ewigen Geldnot. Aberwenn Mathildens Bedürfnisse ihn zur Arbeit zwangen, so wardsie ihm durch ihre Gegenwart erschwert, ja verleidet. Er klagtjetzt über einen Druck, der auf seiner Seele lastet, er sucht ver-gebens eine große geistige Müdigkeit abzuschütteln, die ihn amSchaffen hindert. Seine Häuslichkeit, das unausgesetzte Beisammen-sein mit zwei schwatzenden Weibern und einem kreischenden Papageimußte lähmend auf seine Arbeit wirken. Der Umgang untergrubauch sein sittliches Empfinden. Er war erstaunt, daß seine PariserGedichte Anstoß erregten. Er verstand es nicht. Auch die häßlichenBeschuldigungen, die er auf Grund unlauterer Gerüchte gegen FrauWohl erhob, wären sicher unterblieben, wenn er statt Mathildenseine Frau zur Seite gehabt hätte, deren seelisches Empfinden ihmeinen Maßstab für die Ungeheuerlichkeit der Beleidigung gebotenhätte. Nichts ist für den Heine dieser Zeit so charakteristisch als