Mathilde
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in Ruhe ließ, konnte er es sich nur in der Weise erklären, daß sieein schlechtes Gewissen habe, daß sie ihn betrogen habe oder betrügenwolle. Seine Eifersucht ging so weit, daß er, der blasierte Lebe-mann, einen Studenten, der Mathilden Blicke zuwarf, im Restaurantohrfeigte. Eine Forderung war die Folge, die aber durch eineErklärung des Dichters auf dem Kampfplatze unblutig erledigtwurde. In allen Briefen ermahnt er seine Frau zur Treue, erbittet sie, wenn er verreist ist, sich nicht zu viel außer dem Hausezu zeigen, denn er fürchtet stets, daß sein „armes Lamm" vonden Pariser Wölfen zerrissen werde oder sich zerreißen lasse. DieAngst verfolgte ihn bis in die Matratzengruft. Selbst auf deniKrankenlager zittert er noch, wenn Mathilde über Gebühr aus-bleibt. Heine konnte sich gerade in dieser Beziehung ans seine Frauverlassen. Aber wie sollte er zu einem Wesen Vertrauen haben,das gleich einem Kinde kein Verantwortlichkeitsgefühl besaß undsich von jeder Laune bis zur sinnlosen Wut hinreißen ließ?
Den Haushalt konnte sie nicht führen. Sie vergeudete vielGeld und nichts war in Ordnung. Ihre Freundin Pauline mußtedie Wirtschaft übernehmen. Das war zwar eine neue Belastungder kaum ausreichenden Einnahmen, aber es wurden wenigstenserträgliche Zustände herbeigeführt. Mathilde hatte nun noch mehrZeit, um sich, zu putzen. Ihr Mann war viel zu schwach, um ihrden kostspieligen Luxus zu versagen. Eine Unmenge Geld wurdefür Kleider und Hüte hinausgeworfen. Heine besaß damals guteEinnahmen, 4909 Franken bezog er von der französischen Regierung,4800 betrug die von dem Onkel bewilligte Pension, die selbst inden Zeiten schwerer Zerwürfnisse pünktlich ausgezahlt wurde, undetwa ebensoviel dürften die Honorare des Dichters im Jahres-durchschnitt erbracht haben. Mit 16000 Franken konnten zweiMenschen damals in Paris gut auskommen, wenn sie bescheidenauftraten. Aber daran fehlte es. Heine lebte gern gut, besondersaußer dem Hause, eine Erholungsreise war für ihn eine Notwendig-keit, aber die sechs bis acht Wochen, die er alljährlich meist in einemSeebade verbrachte, kosteten Geld. Er hatte auch eine freigebige Hand,
Wolss, Heine 29