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XVI. Häusliche Sorgen
blieb dem einen und ersten treu, weil er sie gut behandelte, fürsie sorgte und vielleicht auch, weil es ihr schmeichelte, die Fraueines berühmten Mannes zu sein, so wenig sie von dessen Ruhmebegriff. Es kann als sicher gelten, daß niemand außer ihrem GattenMathilde berührt hat, weder zu dessen Lebzeiten noch in ihrerWitwenschast. Alle Skandalgeschichten, die über sie verbreitet wurden,dürften den Tatsachen nicht entsprechen. Sie hatte kein Bedürfnisnach einem Mann, sie brauchte wohl ein gewisses Maß von Zärt-lichkeit, aber im Innersten war sie eine kalte, egoistische Natur,wie man sie unter den bäurischen Frauen, zumal unter den fran-zösischen häufig findet. Sie war weder gut noch schlecht, aber völligentwicklungsunfähig, teils aus Mangel an Begabung, teils ansIndolenz. Sie gefiel sich selber ungemein, und die Liebe desDichters überzeugte sie, daß sie andren auch gefiel. Wozu alsoetwas lernen? Wohl gar die entsetzliche deutsche Sprache? Wozusich ändern? Wenn sie dem Manne nicht zusagte, so konnte er jaWeggehn. Aber er ging nicht weg, und damit war für das Spatzen-gehirn alles in schöktster Ordnung.
Auf Heine machte sie einen gewaltigen Eindruck. Er „saß sofortbis an den Hals in der Liebesgeschichte", und nachdem sie einhalbes Jahr gedauert hatte, schrieb er dem befreundeten Lewald:„Seit Oktober hat nichts für mich die geringste Wichtigkeit, was nichthierauf unmittelbar Beziehung hatte. Alles vernachlässige ich seitdem,niemand sehe ich, und höchstens entfährt mir ein Seufzer, wennich an die Freunde denke ... Die rosigen Wogen umbrausen michnoch immer so gewaltig, mein Hirn ist noch immer so sehr vonwütendem Blumenduft betäubt, daß ich nicht imstande bin, michvernünftig mit Ihnen zu unterhalten. Haben Sie das Hohe Lieddes Königs Salomo gelesen? Nun, so lesen sie es nochmals, undSie finden darin alles, was ich Ihnen heute sagen könnte."
Heine, der es liebte, sich als den blasierten Weltmann aufzuspielen,war überrascht, aber auch entsetzt, daß er noch einer solchen Leiden-schaft fähig war, daß er noch so viel Jugend besaß. Aber als emGlück empfand der gereifte Mann den Rausch der Sinne nicht. Er