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Heinrich Heine
Entstehung
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Mathilde

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gebung seelisch nicht unschuldig geblieben, sie kannte die Ent-behrungen der Tugend und die Freuden des Lasters, und es ent-sprach ihrer Anlage, die ersteren nicht zu wählen. Sie wollte ihreJugend genießen und hätte nach dem normalen Verlauf der Dingeeine oder mehrere Liebschaften durchgemacht und sich dabei vielleichtwie unzählige Mädchen ihres Standes eine Aussteuer erworben,um später einenIionams 6s son zu heiraten, dem sie eine

ehrbare und tüchtige Hausfrau geworden wäre. Sie hätte gescheuert,gewaschen, gekocht, so gut oder schlecht sie es verstand. Ihr Unglückwar, daß sie in Verhältnisse kam, wo sie weder zu scheuern, zuwaschen und zu kochen brauchte, und infolgedessen tat sie garnichts. Sie schaffte sich einen Papagei an, kaufte sich Kleider undprobierte Hüte. Geld war zwar nie da, aber ihr Mann brauchtesich ja nur an den Schreibtisch zu setzen und die leere Kasse füllte sich.

Für die Tätigkeit des Dichters besaß Mathilde nicht das ge-ringste Verständnis. Dabei war sie nicht dumm, aber völlig bildungs-unfähig. Heine hat mehrfach den Versuch gemacht, ihr die Anfangs-gründe des Wissens beibringen zu lassen, er hat die Vierundzwanzig-jährige nochmals in eine Pension geschickt, aber das einzige, wassie dort begriff, war Tanzen. Mathilde hat in ihrem Leben nichtsgelernt und kaum ein Buch gelesen, trotzdem wußte sie zu plaudern,wie eben eine Pariser Grisette plaudert, d. h. sie schwatzte undlachte drauflos, natürlich und frisch wie ein Kind. Diese Munter-keit bestach, bis die Leute die Leerheit gewahrten, die sich dahinterverbarg. Selbstverständlich war sie fromm, so fromm wie dieFrauen in den ländlichen Kreisen Frankreichs noch heute sind.Sie hatte das Zimmer voll Heiligenbilder und ging täglich inihrem besten Staat zur Messe. Doch diese Frömmigkeit verbot ihrnicht, ein Verhältnis mit einem Manne einer anderen Konfessioneinzugehen. Sie beichtete ihre Sünde, und damit war sie vergeben.

Es war nicht die Leidenschaft, die das junge Mädchen in die Armeeines Mannes trieb, sie war, wie der Dichter selber bezeugt, wederleidenschaftlich noch sinnnlich, sondern sie schaffte sich einen Lieb-haber an, weil die andern Ladenmädchen einen hatten, und sie