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XVI. Häusliche Sorgen
schieden sich von denen in Berlin oder Hamburg zwar nur dadurch,daß die Damen französisch sprachen, sich eleganter kleideten unddie zum Beruf oder zur Gewohnheit gewordene Liebe mit etwasmehr Grazie und Liebenswürdigkeiten umkleideten, aber für Heinebesaß diese Welt, in der man sich angeblich nicht langweilt, einenunwiderstehlichen Reiz. Diese Damen boten ihm alles, was erbrauchte, ueue Eindrücke, Abwechselung, Befriedigung seiner Sinneund eine angenehme Überraschung, wenn die einmalige Beziehungeine Erneuerung oder Fortsetzung verdiente. Sie genügten auch,um seine Poetische Stimmung zu erregen, und vielleicht ist geradedas der psychologische Grund, daß Heine sich daran gewöhnte, nichtmehr vom Weibe zu erwarten.
Eine dieser Zufallsbekanntschaften war Mathilde, seine nach-malige Frau, mit ihrem richtigen Namen Crescence Eugenie Mirat.Als Heine sie 1834 kennen lernte, zählte sie neunzehn Jahre. Siestammte aus der Ortschaft Vinot im Departement Seine-et-Marneund war ein uneheliches Kind. Es hieß, daß der Vater ein vor-nehmer Manu war, aber nach den Grundsätzen des französischenGesetzbuches besaß weder die Mutter noch die Tochter einen An-spruch gegen ihn, und er selbst dachte nicht daran, freiwillig etwasfür die Erziehung der Kleinen zu tun. Sie wuchs ohne jeden Unter-richt auf, und als sie mit fünfzehn Jahren sich nicht mehr mitder Mutter vertragen konnte und nach Paris davonlief, war sieweder imstande, fließend zu schreiben noch zu lesen. In der Haupt-stadt trat sie in das Schuhgeschäft einer Tante als Verkäuferinein, und dort, in dem unbedeutenden Lädchen, lernte Heine siekennen. Sie war nach seineu eignen Worten die „echte PariserGrisette, rund, drall, ewig heiter, liebenswürdig, treu und ehrlich".
Das sind gewiß Vorzüge, und nach den Schilderungen objektiverZeugen kann als sicher gelten, daß Mathilde ein schönes, regel-mäßiges Gesicht, allerdings ohne tieferen Ausdruck besaß, pracht-volle Zähne, üppiges braunes Haar und eine glänzende, allerdingszur Fülle neigende Figur. Sie war zweifellos körperlich rein, alsHeine sie kenneu lernte, aber sie war auch in der Pariser Um-