Zerwürfnis mit Gutzkow 4ZZ
tun konnte, er schwieg, während Wihl und Heine nochmals „Er-klärungen" (VII, 532) in die Welt schickten und Gutzkow zweiNummern seiner Zeitschrift mit einer langen Entgegnung füllte.Heines Verbindung mit Campe hörte trotz dieses Zwischenfallesnicht auf, obgleich der „Telegraph" jetzt die Führung im Kampfegegen den Dichter übernahm.
Das Publikum amüsierte sich bei diesen literarischen Klopf-fechtereien; Heine gewann nichts dabei, im Gegenteil, er verlor inder öffentlichen Achtung durch diese ewigen Zänkereien, durch dieseLiteratenkampfspiele, die wohl für den Augenblick belustigten, aufdie Dauer aber abstießen. Die Verstimmung wurde zum Sturmdurch seinen neuen Angriff auf Börne. Das Buch „Ludwig Börne.Eine Denkschrift" (VII, 1), das 1840 erschien, machte einen um so ge-hässigeren Eindruck, als Börne seit drei Jahren verstorben war. Erwar der Abgott des deutschen Liberalismus, und wenn diese Ehredurch persönliche Makellosigkeit und politische Kurzsichtigkeit verdientwerden konnte, so hatte sie Börne verdient. Das Verhältnis derbeiden Männer war seit der Zeit, da sie sich in Paris trafen,schlecht. Der Doktrinär und der Dichter, der Mann der Tugendund der des Genusses, oder, wie Heine sagte, der Nazarener undder Hellene verstanden sich nicht. Heine wollte von dem Radikalismusder Republikaner, der ihm politisch kindisch, ästhetisch häßlich er-schien, nichts wissen, und Börne in seiner talmudistischen Intoleranzbegriff nicht, daß es außer seiner Ansicht noch eine andere gab,und daß Heine, der doch gleich ihm Jude, Deutscher und Liberalerwar, nicht seiner Meinung war. Er konnte sich das Rätsel nurdurch Charakterlosigkeit, moralische Minderwertigkeit, Feigheit oderBestechlichkeit des Gegners erklären. Börne war ein ehrlicher Mann,aber die Verleumdungen Heines gingen letzten Endes auf ihnzurück. Er war die Quelle der unsauberen Ausstreuungen, dievon den deutschen Jakobinern in Paris verbreitet und im Vater-land mit Vergnügen aufgenommen wurden. Heine hatte Grundzur Erbitterung, er hatte auch nicht unrecht, als er bei BörnesTode schrieb: „Dieser ehrliche Mann ist dennoch mit Ver-
Wolss, Heine 28