4Z2 XV. Kämpfe
gegen Heine, vielleicht war er auch von dem verehrten Börnebeeinflußt. Er redigierte damals den „Telegraphen", der in CampesBesitz übergegangen war, und in diesem Blatt herrschte seit 1837eine feindliche Stimmung gegen Heine. Der Aufsatz Pfizers undandere gehässige Artikel wurden mit wohlwollender Neutralität,ja mit einer gewissen Schadenfreude besprochen, und ein FreundGutzkows, Wihl, durfte dort sogar ein rechts heftiges Pamphlet„Heinrich Heine in Paris" loslassen.
Der Dichter kannte Gutzkow als „inauvuiscoutzüsur" und glaubtezunächst an eine vorübergehende schlechte Laune. Er befolgte sogarseinen Rat, als der Jüngere ihn ermahnte, die Herausgabe der „NeuenGedichte" wegen ihres unsittlichen Inhaltes zu unterlassen. Heinedankte ihm und nahm nicht einmal Anstoß daran, daß dieser Hüter derSittlichkeit sich das Manuskript durch einen Vertrauensbruch ver-schafft hatte. Er schickte ihm sogar den „Schwabenspiegel" für sein„Jahrbuch der Literatur". Er erschien in einer schnöde, ver-stümmelten Form, so daß sich Heine zu einem öffentlichen Protestin der „Zeitung für die elegante Welt" veranlaßt sah, die denHerausgeber Gutzkow schonte und in der Hauptsache den VerlegerCampe zur Rechenschaft zog. Dieser verteidigte sich in einer Gegen-erklärung, in der er die Entstellungen des Heineschen Aufsatzes derZensur zur Last legte. Heine mußte antworten. In einem offnenBrief „Schriftstellernöte" (VII, 338) hielt er mit dem TriumviratCampe, Gutzkow, Wihl scharfe Abrechnung, indem er klar bewies,daß die Verhunzung seines Aufsatzes nicht vom Zensor herrührenkonnte, sondern auf Böswilligkeit seiner angeblichen Freunde beruhte.
Campes Verhalten in der Angelegenheit ist mehr als sonder-bar, er hatte kein Interesse, feinen einträglichsten Autor zu dis-kreditieren, und doch gab er seinen „Telegraphen" dazu her. Ertat zum mindesten nichts, um Gutzkows Machenschaften zu ver-hindern. Wollte er Heine demütigen, der ihm manchen über-hebenden Brief geschrieben? Hoffte er ihn in seinen Ansprüchenzu drücken? Eine Antwort darauf gibt es nicht. Auf jeden Fallhatte Campe kein gutes Gewissen, er tat das Klügste, was er