Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
431
Einzelbild herunterladen
 

Schwabenspiegel

431

zu halten. Aber weder ihre Briefe noch die zahllosen Besuche vonDeutschen in Paris konnten die unmittelbare Gegenwart ersetzen.Die in Frankreich lebenden Deutschen boten ihm noch weniger.Es waren weltfremde Schwärmer wie Jakob Venedey, verbohrteRepublikaner wie Börne oder erbitterte Flüchtlinge, die amwenigsten in der Lage waren, Heines Urteil über Deutschland zuberichtigen. Er fühlte den Mangel, aber zur Rückkehr konnte ersich nicht entschließen, obgleich er selbst zugab, daß die Regierungenihm keine unüberwindlichen Hindernisse in den Weg stellen würden.Das Exil war ein notwendiger Teil seiner Rolle, wie er sie auf-faßte. Auf ihm beruhte nicht zum kleinsten Teile seine Macht. Erfürchtete, sie durch die Heimkehr einzubüßen, er fürchtete, sich inder Masse zu verlieren, wenn er aus seiner ausländischen Sonder-stellung in Deutschland in Reih und Glied trat, er fürchtete, dorteiner von den unzähligen oppositionellen Schriftstellern zu werden.„Heinrich Heine in Paris" war ein Schlagwort, das durch denNimbus der Entfernung auf die Gemüter wirkte. Er glaubte inder damaligen Hauptstadt der Welt auf einer höheren Warte alsin Berlin oder Hamburg zu stehen. Sie bildete den Sockel seinerPersönlichkeit, und diese konnte nichts gewinnen, wenn sie vonihrem erhöhten Standpunkt auf das Niveau der Zuschauer hinabstieg.

Dem Streit mit den Schwaben folgte das Zerwürfnis mitGutzkow. Dieser war früher ein unbedingter Verehrer unsresDichters gewesen; er hatte sogar den — natürlich aussichtslosen— Vorschlag gemacht, durch eine öffentliche Sammlung die Mittelaufzubringen, um dem Vermögengslosen einen Landsitz zu kaufen,wie es die Engländer für Scott getan hatten. Gutzkow und Heinewaren Kampfgenossen aus den Tagen des „Jungen Deutschland".Der Jüngere hatte sogar den Namen des berühmten Kollegen,ohne ihn zu fragen, auf die Mitarbeiterliste der „Deutschen Revue"gesetzt, und Heine hatte diese Eigenmächtigkeit in vornehmer Weisenachträglich anerkannt, obgleich das Gewitter unterdessen losgebrochenwar. Gutzkow hatte keinen Anlaß, sich über ihn zu beklagen, dernervöse Schriftsteller erlag offenbar der allgemeinen Mißstimmung