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XV. Kämpfe
verwandeln wolle. Kurz, er sei ein kosmopolitischer, vaterlandsloserJude ohne Moral, Anstand und Religion.
Die Haltung der Regierungen begünstigte die dem Dichterfeindselige Stellungnahme des deutschen Publikums. Nicht daß sieetwa die Federn kauften, um gegen ihn zu polemisieren, aber ihrVorgehen trug dazu bei, die unfreundliche Stimmung gegen Heinezu schaffen. Es verbreitete sich eine Atmosphäre des Mißtrauensund der Abneigung. Die meisten Menschen gehen lieber mit alsgegen die Autorität, zumal vor hundert Jahren, wo die der Re-gierungen noch fester stand als heute. Daß die ganze abhängigePresse von Schmährufen, die christlich-konservativen Blätter vonberechtigter Empörung gegen Heine widerhallten, darf nicht wunder-nehmen. Er war in die Arena der Tagespolitik hinabgestiegen undmußte es hinnehmen, daß der Gegner wieder schoß, und manchmal„gleichfalls sehr gut zu schießen wußte". Aber abgesehen von diesenZeituugsangriffen, diesem Sport des Tages, der nur eine augen-blickliche Bedeutung besaß, erhob sich eine ernstere Opposition gegenihn, die nicht nur sein politisches Auftreten und seine Ansichtenbekämpfte, sondern im Namen der Literaturgeschichte seine gesamteWirksamkeit als Dichter und Schriftsteller verneinte. Der Reigenwurde eröffnet durch einen Aufsatz des Rostocker Professors VictorNim« Huber in den „Mecklenburgischen Blättern" von 1834, derdie hohe Einschätzung Heines in Wienbargs „Ästhetischen Feldzügen"zurückwies. Eine Broschüre „Heinrich Heine und ein Blick aufunsre Zeit" folgte, die unfern Dichter schon im' Zusammenhangmit dem „Jungen Deutschland" betrachtete und seinen gesamtenMitgliedern den Vorwurf machte, daß sie mit ihren moderneuTheorien auf den Umsturz der politischen, religiösen und mora-lischen Welt hinarbeiteten. Alexander Jung in seinen „Ausstellungenüber Heinrich Heine" ließ ihn zwar als Dichter e rster Größe geltenritisierte ihn aber um so ungünstiger als „politischen Schriftsteller,als Volksvertreter oder gar als Philosophen und Religiösen". Un-gefähr zu dem gleichen Ergebnis kam Melchior Mehr in einemAufsatz „Über die poetischen Richtungen unsrer Zeit". Auch er er-