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Heinrich Heine
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410
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410 XV, Kämpfe

immer mehr dem Radikalismus verfiel, so trifft die Hälfte derSchuld diejenigen, die ihn dazu zwangen. Die Verfolgung seinerWerke hatte schon mit denReisebildern" begonnen, nach seinerAuswanderung wurde sie im verstärkten Maße fortgesetzt.

Die Julirevolution machte in Deutschland doch einen größerenEindruck als man nach den paar kümmerlichen, leicht unter-drückten Putschen hätte erwarten sollen. Vor allem gewannendie eingeschüchterten Liberalen wieder Mut und rüsteten sich zuerhöhter Agitation. Ihre Beziehungen zu Frankreich wurden nochenger, denn daß die Führung der liberalen Sache bei den Franzosenin den berufensten Händen lag, stand bei ihren deutschen Partei-genossen fest. Die Franzosenfreundschaft erwies sich aber als einzweifelhaftes Zugmittel. Sie verstimmte viele der ehemaligen Frei-heitskämpfer, sie verletzte die Jugend, die mit einem stärkeren Na-tionalgefühl als die alte weltbürgerliche Generation aufgewachsen war.Immerhin war diese Strömung nicht stark genug, um den Liberalis-mus in andere Bahnen zu lenken. Das Hemd war den Leutennäher als der Rock, die Gefahr aus Westen lag ihnen ferner alsder Druck, den die eigne Regierung auf sie ausübte. Da dieserimmer stärker wurde, raffte sich auch der Liberalismus, durch dieJulirevolution ermutigt, zu energischerer Betätigung auf. Dieallgemeine Mißstimmung bildete einen günstigen Boden und führteihm neue Anhänger zu. Auf dem Hambacher Fest veranstaltete ereinenMai der Deutschen", eine große Musterung seines Heerbannes.Die Führer vr. Wirth und Siebenpfeiffer hielten recht gefährlichklingende Reden, die französische Trikolore wehte neben dem ver-botnen schwarzrotgoldnen Banner und Hochrufe aus die Republikwurden ausgebracht. Börne erschien dazu aus Paris, in ganzWestdeutschland wurde er jubelnd empfangen, seine Reise glicheinem Triumphzug. Auch sonst gärte es. In Württemberg zettelteein Leutnant Koseritz eine kindliche Militärverschwörung an undin Frankfurt stürmteu die Doktoren Rauschenplat und Gärth mitein paar Dutzend ebenso unreifer Gesinnungsgenossen zum größtenErstaunen und Vergnügen der Bevölkerung die Konstablerwache.