Liberale Bewegung 411
Es waren jugendliche Torheiten, die der Sache der Freiheitschadeten, der Reaktion aber in die Hände arbeiteten. Sie botenMetternich und den preußischen Ministern, die er durch die Angstvor der Revolution in seinem Schlepptau zu halten wußte, den ge-wünschten Anlaß, das dürftige Verfassungsleben in den deutschen Mittel-und Kleinstaaten auf das geringste Maß zurückzuschrauben. Durch einenBundesratsbeschluß vom 28. Juli 1832 wurde festgelegt, daß dieausschließliche und unteilbare Souveränität in den Fürsten vereinigtsei; das Recht, die Bundesbeschlüsse zu kritisieren oder gar sie aufihre Gültigkeit zu Prüfen, wurde den Landständen abgesprochen,die Preßfreiheit sowie das Versammlungs- und Vereinsrecht neuenBeschränkungen unterworfen, die von der Zentralstelle ausgehendalle Bundesglieder banden. Noch darüber hinaus ging das Schluß-protokoll der Wiener Ministerkonferenz vom Januar 1834, dasalle bestehenden Verfassungen und Gesetze aufhob, die der Durch-führung der Bundesbeschlüsse entgegenstanden. Die FrankfurterGesetzgebungsmaschine arbeitete ganz nach den Wünschen Metter-nichs und gewährte ihm die Mittel, das österreichische unheilvolleKnebelungssystem der Geister auf ganz Deutschland auszudehnen.Die wahnsinnige Verfolgungswut setzte wieder ein wie nach denKarlsbader Beschlüssen, und wieder waren es vielfach gerade diebesten und begabtesten der deutschen Jünglinge, die durch langeGefängnishaft geistig gebrochen oder durch die selbstgewählte Ver-bannung einem unsteten und fruchtlosen Verschwörerleben zugetriebenwurden.
Unter den neuen reaktionären Maßnahmen besaß für Heinenur die Einschnürung der Presse eine unmittelbare Bedeutung.Seine Berichterstattung in den Cottaschen Blättern bot aber keinenAnlaß zum Einschreiten, weder die Aufsätze über die „FranzösischenMaler" noch die „Französischen Zustände". Sie erschienen nicht in derheutigen Fassung der Buchausgabe, sondern die Redaktion und dieZensur in Stuttgart hatten dafür gesorgt, daß alle Angriffe gegendie heimischen Regierungen getilgt wurden. Die Aufsätze warenalso viel harmloser, als sie heute erscheinen, und die Kritik an den