Die Zensur 409
Heines Person galt als verdächtig, und da er diese nach Paris inSicherheit gebracht hatte, so hielten sich die Regierungen an das, wasihnen von dieser Person erreichbar blieb, an seine Werke. Harmlosig-keiten, die man einem kleinern Autor unbedenklich durchgelassen hätte,wurden bei ihm unterdrückt, weil man überall etwas Gefährliches, zummindesten eine versteckte Anzüglichkeit witterte. Kein Schriftsteller ist vonder Zensur in so rücksichtsloser Weise behandelt worden wie Heine. Bei-nahe jedes seiner Werke hatte schon eine Geschichte, ehe es erscheinenkonnte, häufig wanderte es von dem Zensor des einen Bundesstaates zudem des nächsten, bis sich entweder in Gießen oder in Leipzig einnachsichtiger oder beschränkter Kopf fand, der das „Imprimatur"erteilte. Selbstverständlich nach mehr oder weniger starken Ein-griffen und Strichen, wie es gerade in die Laune des Allmächtigenund Unverantwortlichen paßte. Aber was der Zensor durchließ,konnte noch immer von den einzelnen Bundesregierungen verbotenwerden, und von dieser Befugnis machten sie gegen Heine aus-giebigsten Gebrauch. Selbst der dritte Salonband, der keine politi-schen Artikel, sondern nur die „Florentinischen Nächte" und die„Elementargeister" enthielt, wurde unmittelbar bei seinem Erscheinenin Preußen und Bayern verboten. Sie stammten von Heine, undalles, was von ihm kam, mußte den deutschen Staatsbürgern fern-gehalten werden.
Es hat keinen Zweck, dem heutigen Leser alle die Verfolgungen,Verbote und Schikanen auseinanderzusetzen, mit denen man Heine dieliterarische Tätigkeit zu erschweren und zu verleiden versuchte. .KeinSchriftsteller ist so wie er in kleinlicher und bösartiger Weise gequältworden. Es gehörte seine ganze Spannkraft und seine unerschöpflicheRegsamkeit dazu, um diesen elenden Machenschaften nicht zu erliegen.Er hat schwer darunter gelitten, der Kampf nagte an seiner Gesundheitund er schädigte sein Talent, indem er ihn in einer unerfreulichenRichtung zu immer schärferer Verneinung und Verbitterung drängte.„Wenn wir lügen, muß der gehaßt werden, dem wir vorlügen müssen,"schrieb ihm die Freundin Rahel in einem ihrer letzten Briefe.Wenn Heine unaufrichtig, kleinlich und gehässig wurde, wenn er