X V. K ä NI p s e
ü^veine befürchtete, daß seine Übersiedlung nach Paris den Gegen-^'5/satz zu den deutschen Bundesregierungen wesentlich verschärfenund ihn selbst zum Anschluß an die Radikalen zwingen würde.Es gelang ihm zehn Jahre lang, das letztere unter Aufgebot seinerganzen Geschicklichkeit und geistigen Voltigierkünste hinauszuschieben,der erste Teil seiner Befürchtung dagegen erfüllte sich sofort. DieFlucht in das Ausland wirkte wie eine Kriegserklärung an diedeutschen Machthaber, sie besagte nichts anderes, als daß der Dichtersich in der Heimat nicht sicher fühlte und daß er dort nur unterGefahr des Lebens seine Meinung äußern durfte. Dieser Eindruckließ sich nicht verlöschen. Die Regierungen betrachteten seine Fluchtals eine Kampfansage und legten ihr die Absicht unter, Dinge zusagen, die er innerhalb des deutschen Gebietes nicht hätte aus-sprechen können. Vergebens verwahrte sich der Dichter gegen dieseAuffassung, vergebens erklärte er seine Abkehr von der Politik,vergebens beteuerte er, nur zahme, unpolitische Bücher schreiben zuwollen, und schrieb tatsächlich nichts über deutsche Politik; seineSchriften, selbst die harmlosesten, erschienen gefährlich, weil sie vonihm stammten. Heine hat damals und später seinem Verlegervorgehalten, daß seine Bücher nicht wegen ihres Inhaltes denZorn der Regierung und den Rotstift des Zensors herausforderten,sondern weil sie in dem Campeschen Verlag erschienen, dem Mittel-punkt der gesamten jungdeutschen Literatur. Daran mag etwasWahres sein. Jedes Buch von Hoffmann und Campe war ver-dächtig und wurde von dem Zensor genauer durchgesehen als dieandrer Verleger, aber wenn das der Fall war, so geschah es zumgroßen Teil, weil der Hamburger Buchhändler der Verleger Heineswar. Campe konnte den Vorwurf zurückgeben und hat ihn ver-mutlich in seinen verlornen Antworten zurückgegeben, nicht seinVerlag kompromittiere die Werke des Dichters, sondern diese hättenseinen Verlag kompromittiert.