394 XIV. Im journalistischen Dienst
so sind jene Toten, wie man sagt, so schnell beerdigt Horden, daßman ihnen nicht einmal die buntscheckigen Narrenkleider auszog,und lustig, wie sie gelebt haben, liegen sie auch lustig im Grabe.
Die dritten Berichte aus Paris, mit denen sich Heine an das deutschePublikum wandte, liegen wesentlich später. Es sind die erst 1837verfaßten Briefe „Über die französische Bühne" (IV, 489), die er anden alten Freund aus der Hamburger Zeit August Lewald gerichtetund in dessen „Allgemeiner Theaterrevue" veröffentlicht wurden.Er hatte Heine seinerzeit in Paris besucht, war aber bei Ausbruchder Cholera geflohen und lebte seitdem teils in München, teils inStuttgart als Schriftsteller und Regisseur. Natürlich wurden dieseBriefe zum Zwecke der Veröffentlichung geschrieben, aber wenndem Verfasser daran lag, den Briefcharakter zu wahren, so ist esihm leider zu gut gelungen. Was er bietet, sind lose Stücke ohne'Zusammenhang. Er plaudert über das Wesen des französischenLustspieles, über das napoleonische Radau- und Tendenzstück, überdie Tragödie und die Oper, er streut Victor Hugo einige Lorbeeren,vergißt aber nicht, den ihm persönlich näher stehenden Dumas aufKosten dieses Jupiter des dröhnenden Pathos herauszustreichen;er vergleicht Rossini mit Meyerbeer, weiht der Kunst des einenund dem Charakter des andern das höchste Lob und gibt einzelneBemerkungen über die Musik, aber auch viel Klatsch aus demLeben Chopins, Berlioz' und Liszts, der „lange Zeit für die schöneSaint-Simonistische Weltanschauung geglüht" habe. In der Tathatte das gemeinsame Interesse für diese Lehre den Dichter undden Musiker zusammengeführt, bis die sinnlichen Bedürfnisse desersteren und die übersinnlichen des andern die Verbindung erkaltenließen. Auch über die französische Schauspielkunst wird in den Briefenberichtet, und einzelne Darsteller werden mit Anerkennung erwähnt.Das alles geschieht in der geistreichen, antithetischen Art, die Heinezur Gewohnheit geworden ist, in dem spöttischen, durch Anzüg-lichkeiten gewürzten Stil der Überlegenheit, der den Eindruck auf dieLeser nicht verfehlt, aber es geschieht auch ohne Tiefe und ohne dieVielheit der Erscheinungen auf die Einheit des Gedankens zurück-