Französische Maler
389
und nur nach dem beurteilt werden, was er selbst will. Hier giltnur die Beantwortung der Fragen: hat er die Mittel, seine Ideeauszuführen? hat er die richtigen Mittel angewendet?" Manchedieser Ideen mögen von Schlegel stammen oder Gemeingut derRomantik sein, aber keiner vor Heine hat sich so bestimmt vonjeder normativen Ästhetik losgesagt wie er.
Die Maler, die in dem Aufsatz behandelt werden, sind demheutigen Geschlecht wenig bekannt, Ihre Bilder schmücken noch dieMuseen und ältere Privatgalerien, und die Namen DelarocheIngres, Vernet werden in der Kunstgeschichte mit Achtung genannt,Sie besitzen auch eine große historische Bedeutung, sie sind dieersten Wegbereiter des modernen Kunstideals auf der Suche nachdem realistischen Stil. Heine fand durch den Pariser Salon seineProphezeiung bestätigt, daß die große Kunstperiode mit GoethesTod abgelaufen, die Einheit der Kunst verloren sei; es gab nachseiner Auffassung keine Kunst mehr, sondern nur noch Künstler.Er betrachtete diese Entfesselung der Subjektivität als eine Folge desAbsterbens der katholischen Weltanschauung und triumphierte, daß dieAusstellung nur neunundzwanzig Heiligenbilder enthalte. Die Auf-fassung ist insofern richtig, als die politische und soziale Revolutionvon 1789 eine ebenso schwere Erschütterung in der Kunst nachsich zog, eine Erschütterung, die noch heute nicht überwunden ist,denn so sicher Heines Voraussage eintreten wird, daß „die neueZeit eine neue Kunst gebären wird, die mit ihr selbst in Ein-klang steht", so weit sind wir noch von ihrer Erfüllung entfernt.Freilich wenn wir heute die Maler von 1831 betrachten, sohaben wir nicht mehr den Eindruck der subjektiven Zersplitterung,daß „jeder sich bestrebt, ganz anders als die andern zu malen",sondern uns fällt zuerst das Gemeinsame ins Auge, und woder Mitlebende Willkür sah, sieht die Nachwelt Stil, ja sogardi^ akademische Linie.
Wo Heine über Kunst spricht, lauschen wir ihm gerne. Leiderwnr es ihm nicht vergönnt, sich ihr ganz und dauernd zu widmen.Er war nicht nach Paris geflohen, um ästhetische Abhandlungen