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Heinrich Heine
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XIV. Im journalistischen Dienst

zu schreiben. Die Vergangenheit zwang ihn in die Politik unddas Publikum wollte von ihm Politik hören. Er mußte sich diesenWünschen anpassen. Er war nicht mehr frei, sondern als liberalerFührer verpflichtet, zu den Tagesfragen Stellung zu nehmen.Man hat den Eindruck, daß er ohne Begeisterung, ja mit inneremWiderstreben an diese Pflicht heranging, und unter dieser Unlustlitt die Berichterstattung, die er im Dezember 1831 für Cottas„Allgemeine Zeitung" begann und zunächst bis zum Herbst desnächsten Jahres fortsetzte. In diesen Berichten, die später unterdem Titel „Französische Zustände" (V, 1) zusammengefaßt und inBuchform herausgegeben wurden, nähert sich der Dichter am meistendem Journalismus, wie er vor hundert Jahren ausgeübt wurde.Telegraphen gab es nicht, die Posten gingen langsam und selten;die Zeitungen konnten nicht wie heute ihren Lesern die beständigeinlaufenden neuesten Nachrichten und letzten Telegramme bieten,sondern durch größere periodische Berichte wurde das Publikumüber die Vorgänge im Ausland unterrichtet. Der Korrespondentin Paris oder London befand sich nicht auf Jagd nach neuenGeschehnissen, sondern er entwarf nachträglich ein Bild der Ereignisse,das seine persönliche Anschauung der Lage zum Ausdruck brachte.

So hat auch Heine seine Aufgabe verstanden. In dem Dreiviertel-jahr lieferte er nur neun Artikel und daneben eine Reihe kürzererTagesberichte. Sie leiden darunter, daß der Dichter Frankreichnicht kannte, zum mindesten damals nach einem Aufenthalt vonneun Monaten nicht kannte. Was er kannte, war Paris und seineinternationale Gesellschaft. Er redete sich ein, daß der Katholizismusin Frankreich erledigt sei, weil in der aufgeregten Hauptstadt sichkein Priester in der Soutane sehen ließ und weil seine freigeistigenFreunde das Christentum so gründlich überwunden hatten, daß siees nicht mehr einmal mehr leugneten. Um so erstaunter war er, alser die Macht gewahrte, die die Kirche noch in der Provinz aus-übte. Er gab später selber zu, daß er als „Neuling" noch keinen„politischen Fernblick" besaß. Seine Berichte sind journalistisch-oberflächlich. Das liegt aber nicht nur an seiner Unbekanntschaft