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XIV. Im journalistischen Dienst
die sich der körperlichen Schönheit freuen? Suchte sie nicht dieGleichheit aller und verwarf die Scheidung in Besitzende und Ent-erbte, in Genießende und Darbende? Predigte sie nicht auch, daßdie Spaltung in Nationen der Vergangenheit angehöre und daßdie bisherige Feindschaft der Völker der Brüderschaft weichen müsse?Der Dichter war nach seiner Veranlagung ein Epikuräer, einSensualist, wie er es nannte; aber wurde nicht das Streben nachdem Lebensgenuß, das ihm die Feinde als Unsittlichkeit, er sichselber als Schwäche vorgeworfen, durch den Saint-Simonismus be-gründet als die Weltanschauung, die allein den Menschen eine bessereExistenz verschaffen konnte als unter dem Druck des Christentums?Die Rehabilitation des Fleisches entsprach Ideen, die der Dichterschon in Deutschland gehegt hatte. Hatte er nicht schon in seinenLiedern zum Entsetzen des prüden Jahrhunderts die sinnlicheLiebe gefeiert und die schmachtende christlich-mittelalterliche Minneverworfen?
In der Lehre Saint-Simons fand Heine die Rechtfertigung seinesganzen bisherigen Lebens. Was er getan und gewollt hatte, alles, wasihm selber häufig als Laune und Willkür, als Egoismus, Schwächeund Zügellosigkeit erschien, wurde hier zu einem System, ja zu einerReligion zusammengefaßt und als gut und heilig hingestellt. Waser begangen, war recht. Statt sich zu schämen, wie die Welt ver-langte, durfte er sich seines Lebens rühmen. Was die Menschenihm vorwarfen, waren keine Laster, keine Sünde, sondern Tugend.Die Genußsucht wurde zum religiösen Dienst. Die Lehre wirktewie eine Offenbarung auf den Dichter, wie eine Selbstoffenbarungseiner Persönlichkeit. Es war unvermeidlich, daß er sich demSaint-Simonismus ergab. Er hatte ihn ja längst, zwar un-wissend, aber doch ahnungsvoll gehegt, jetzt wurde er durch dieEnthüllung des Meisters ein Wissender. Er berauschte sich in demerhebenden Gefühl, Klarheit über sich selbst zu erlangen. DenMangel einer Tradition hat Heine stets empfunden, um so mehr be-glückte es ihn, auf festem Boden zu stehen. Er hatte das Glückschon einmal genossen, damals, als er in Berlin dem Verein für