366 XIII, In Paris
scheuten sie vor den schlimmsten Mitteln nicht zurück, um HeinesEntscheidung zu erzwingen. Sie druckten unter sinnentstellendenAuslassungen einzelne seiner Aufsätze in ihren Pariser Partei-blättchen nach, so daß sie nicht mehr gemäßigt, sondern ausgesprochenregierungsfreundlich klangen und stellten den Verfasser selbst alsösterreichischen bezahlten Agenten hin. Obgleich der Dichter dasManöver durchschaute, so verfehlte es doch seinen Zweck nicht. Heinezog schärfere Saiten auf. Er glaubte das seiner Vergangenheit undseinem Ruf schuldig zu sein. Er hielt es für unklug, mit denRadikalen zu brechen, und für unvorsichtig, seine wahre Meinungüber Börne auszusprechen. Er fürchtete sich vor dessen Gefolg-schaft. Er fürchtete, als ein Verteidiger des Königtums, als einAnhänger des Adels und der Pfaffen, kurz als ein Volksverräter ver-lästert zu werden, und er befürchtete auch eine direkte Gewalttatvon republikanischer Seite. Er zitterte vor Gefahren, die ihm vonden Vaterlandsrettern drohten.
Auf der andern Seite wollte er auch fein ruhiges Leben in Parisnicht auf das Spiel setzen. Die Angst, die ihn schon in der Heimat be-herrschte, verfolgte ihn auch in der Fremde. Überall witterte er preußischeSpione, obgleich er sich bei ruhiger Überlegung selbst sagte, daß er sichnicht „wegen seiner politischen Stellung irgend einer Gefahr aussetzte".Trotzdem ging er so weit, den preußischen Gesandten aufzusuchen, umihm zu erklären, daß er nichts Böses gegen Preußen im Schilde führe.Der heimliche Schritt sicherte ihn nach rechts, gefährdete ihn aber,wenn er ruchbar wurde, desto mehr nach links. Diese Sorgezwang ihn wieder, den Demagogen entgegenzukommen, die er imGrunde seines Herzens haßte und verachtete. Sie waren es, dieihn verhinderten, das Leben seiner Wahl in Paris zu führen, inihnen lebte seine eigene Vergangenheit, die ihn durch das Gewichtder Verhältnisse, In koreo ckes ollogss, zwang, radikal zu bleibenund noch radikaler zu werden. Heine sah in der Republik nichtdie für Deutschland geeignete Staatsform, aber wenn er über dieseFrage auch mit sich hätte reden lassen, so wollte er sich doch mitden Regierungen nicht völlig überwerfen, weder mit der französischen