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XIII, In Paris
wiß eine Gelegenheit, ja sie war eine Notwendigkeit. Heine hat dieHerbeiführung einer Verständigung als sein Amt betrachtet. Nochin seinem Testament von 1851 erklärte er: „Es war die großeAufgabe meines Lebens, an dem herzlichen Einverständnisse zwischenDeutschland und Frankreich zu arbeiten und die Ränke der Feindeder Demokratie zu vereiteln, welche die internationalen Vorurteileund Animositäten zu ihrem Nutzen ausbeuten. Ich glaube michsowohl um meine Landsleute wie um die Franzosen wohlverdientgemacht zu haben, und die Ansprüche, welche ich auf ihren Dankbesitze, sind ohne Zweifel das wertvollste Vermächtnis, das ichmeiner Universalerbin zuwenden kann." Die Versöhnung der beidenVölker war ein Lieblingsgedanke unseres Dichters, dem er zummindesten in den ersten Jahren seines Pariser Aufenthaltes mitEifer und, wie er glaubte, mit Erfolg nachlebte.
Die heutige Generation, die den Zusammenbruch so vieler Ver-ständigungsaktionen erlebt hat, wird daran zweifeln, ob sich die Be-ziehungen der Völker durch das Wirken im Geiste verbessern lassenund ob sie nicht nur durch die materiellen Interessen und die Machtder Waffen bestimmt werden. Aber läßt man auch diese grundsätzlicheFrage außer Betracht, so litt Heines Vermittlung unter der Wahlseines Standpunktes. Auch er glaubte an die Überlegenheit derFranzosen und er mußte daran glauben. Sie war ja die Voraus-setzung seiner Übersiedlung nach Paris. Dieses große Opfer seinesLebens oder, wenn man nicht von einem Opfer sprechen will,diese große Veränderung sank zu einem törichten, zwecklosen Streichherab, wenn sie nicht im Interesse des Fortschritts und des Zu-knnftgedankens vollzogen war. Mit der Flucht aus Deutschlandhatte Heine sein Schicksal in die Schale Frankreichs gelegt, undwenn diese zu leicht befunden wurde und in die Höhe schnellte,so'war seinem Leben selber der Boden entzogen und seiner Wirk-samkeit fehlte die innere Berechtigung. Heine mußte an die Über-legenheit Frankreichs glauben. Er mußte sich auf den Standpunkt'stellen, daß Frankreich in politischer Beziehung Deutschland weitvoraus sei, daß dieses nichts Besseres tun könne als die demo-