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Heinrich Heine
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Die deutsche Philosophie

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schaft, von deren unerforschlichem Tiefsinn sie ebenso fest überzeugtwaren wie von ihrer vollkommenen Zwecklosigkeit. Diese Philosophiekonnte sich nach ihrer Meinung nur ein Land erlauben, das aufjede praktische Betätigung, auf jede Politik, auf jedes machtvolleAusleben in der Gegenwart verzichtete und sein Heil ausschließlichim Reiche des Geistes suchte. Im Vergleich mit den deutschenTräumern fühlte der Franzose die ganze Überlegenheit des Mannesder Tat und der gereiften Erfahrung, des Mannes, dem die FührungEuropas oblag und der es dem andern überließ, gewisse Neben-fächer in mühsamer und bewunderungswürdiger Arbeit auszu-gestalten. So verkündete Victor Hugo: „Deutschland ist das Herz,Frankreich der Kopf. Deutschland und Frankreich verkörpern dieKultur. Deutschland empfindet, Frankreich denkt. Die Empfindungund der Gedanke bilden den Kulturmenschen." Man darf sich durchdiese äußere Gleichstellung nicht täuschen lassen. Sie ist nur schein-bar und enthält im Grunde die Anerkennung von FrankreichsÜberlegenheit. Der Kopf muß in der Wirklichkeit den Vorrangvor dem Herzen haben; der Realist lächelt über den Idealisten,er betrachtet ihn als Kind oder Dummkopf, wenn nicht gar alsein bequemes Objekt der Ausbeutung. Es war für Deutschlandein geringer Ruhm, daß man seine Philosophie und Dichtungbewunderte, denn es geschah mit dem Hintergedanken, daß diesesDeutschland zu praktischem Handeln unfähig sei und daher derpolitischen Führung Frankreichs bedürfe und ihm freudig folgenwerde. Diese Anschauung beherrschte nicht nur die Franzosen, sondernwurde von den Liberalen, von den gebildeten und geistig führendenSchichten Deutschlands, geteilt. Sie erkannten die ÜberlegenheitFrankreichs an, sie glaubten an eine Verteilung der Rollen, diedem einen Volk die Dichtung, dem anderen die Politik als Do-mäne zugewiesen habe. Man verlangte von den Franzosen, daßsie in der Kunst die Bahnen Deutschlands, von den Deutschen,daß sie in der Politik die Bahnen Frankreichs wandelten.

Die beiden Völker verstanden sich nicht. Für eine Vermittlung,die sie wechselseitig über ihr eigenstes Wesen aufklärte, bestand ge-

Wolff, Heine 23