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XII. Die Julirevolution
Ansicht das Schicksal der Menschheit für Jahrhunderte entschiedenwurde. Aber alle diese verlockenden Momente kamen gegen diedumpfe Ahnung nicht auf, daß er sich selbst in der neuen Weltverlieren würde. Das Vaterland konnte er mitnehmen. Auch inder Fremde kann man ein Deutscher bleiben, aber ein deutscherDichter muß auf deutschem Boden leben und muß die Laute seinerMuttersprache um sich hören. Heines Abschiedsbrief an Varnhagenklingt verstimmt und verbittert, ohne große Hoffnung auf die Zukunft.
Merkwürdigerweise spielt unter den Gründen für die Aus-wanderung der deutsche Antisemitismus, der dem Dichter frühersolche Pläne nahelegte, keine Rolle mehr. In den Erörterungenmit Varnhagen wird das Judentum überhaupt nicht erwähnt, wederdessen bessere Stellung in Frankreich, noch seine ungünstige Lagein Deutschland. Heine fühlte sich nicht mehr als Jude, die Reli-gious- oder Rassenzugehörigkeit, die dereinst einen so gewaltigenEinfluß auf ihn ausübte, war überwunden. Er litt wohl nochunter seiner jüdischen Abstammung, aber das Judentum nahm keinenentscheidenden Platz mehr in seiner Gefühlswelt ein und rief seinenEntschluß zur Auswanderung nicht hervor.
In der zweiten Hälfte des April war er reisefertig. Den letztenTag in Hamburg verbrachte er mit August Lewald. Am nächstenMorgen ging es fort, wieder wie vor vier Jahren über Hannoverund Kassel nach Frankfurt, wo er von den Männern der liberalenPartei begeistert begrüßt und gefeiert ward. Nach einem Aufenthaltvon einer Woche reiste er weiter über Heidelberg und Karlsruhe.Genau am 1. Mai 1831 betrat er bei Straßburg französischenBoden und zwei Tage später traf er in Paris ein.