Entschluß zur Abreise
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Was Heine in nnd von der französischen Hauptstadt erwartete?Früher hatte er mehrfach erklärst er wolle dort ein „europäischesBuch" schreiben. Das klingt wie eine jugendliche Prahlerei, gemeintist damit ein Buch, das den liberalen Gedanken, den Gedanken desdamaligen Europas, in internationaler Fassung vertrat. Das warin Deutschland nicht möglich. Was dort erschien, besaß nur lokaleBedeutung, und außer Goethe war es keinem Deutschen gelungen,aus der Heimat die Aufmerksamkeit des Auslandes zu erregen.Schlegel und Humboldt waren internationale Größen geworden, inerster Linie nicht durch ihre Werke, sondern durch ihr persönlichesWirken außerhalb Deutschlands, besonders in Paris. Paris wardamals die geistige Hauptstadt der Welt, der Ort, auf den alleAugen vom Osten und Westen gerichtet waren. Nur er bot denResonanzboden für ein europäisches Buch, d. h. für ein Buch, dasauf die gesamte Kulturwelt wirken sollte, und nur dort herrschtedie Freiheit, unter der es geschrieben werden konnte. Wir Heutigenbetrachten es als selbstverständlich, daß wir frei schreiben dürfen,was wir denken. Dies Selbstverständliche war für Heine ein Glück,das er in der Heimat noch nicht genossen hatte. Alle seine Schriftenwaren vom Zensor, oft bis zur Sinnlosigkeit, entstellt worden.Man kann sich denken, wie er danach lechzte, endlich frei und nichtnur in Andeutungen zu sprechen. Zweifellos war es seine Absicht,in Paris auch als französischer Schriftsteller aufzutreten. An Ver-bindungen fehlte es ihm nicht. Auf die liberalen Genossen, dieihm vorausgeeilt waren, durfte er zählen, und bei der engen Ver-bindung des deutschen Liberalismus mit dem französischen war ersicher, in der Presse und Literatur des fremden Landes bald Ein-gang zu finden. Das Beispiel Holbachs und F. M. Grimms mochteihm vorschweben, von denen sich der eine als Philosoph und Mit-glied der Enzyklopädisten, der andere als Literat trotz ihrer deutschenAbstammung eine sehr angesehene Stellung in Paris geschaffenhatte. Dazu kam die Sehnsucht nach der Stätte der Revolution,der Wunsch, den Saint-Simonismus an der Quelle zu studieren,und das Bedürfnis, dort zu sein, wo nach seiner und der Liberalen