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Heinrich Heine
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XII. Die Julirevolution

zu stolz, um zu markten und zu feilschen, freilich nicht stolz genug,um nicht zu borgen und zweifelhafte Unterstützungen anzunehmen.Seit den Tagen des Horaz lebten die Dichter von den Zuwen-dungen ihrer Gönner oder von Sinekuren, soweit ihnen nicht wieLope de Bega, Moliere und Shakespeare die Bühne erheblicheEinnahmen bescherte. Schiller wäre ohne den dänischen Zuschußverhungert wie Platen ohne sein bayerisches Jahrgeld. Uhland undRückert hatten ihre Professuren, und selbst der gepeinigte Grill-parzer war durch seine Wiener Bibliothekarstelle vor Not geschützt.Nur für Heine fand sich kein Mäzen und keine Stellung. Unterdiesen Umständen war seines Bleibens in Deutschland nicht mehr.

Der Entschluß, nach Paris zu gehen, wurde ihm sehr schwer.Heine rechnete kaum damit, daß er dauernd in Frankreich bleibenwürde, aber er sah auch klar, daß es in absehbarer Zeit eine Rück-kehr für ihn nicht gab. Wenn er doch ging, so geschah es, weil erkeine Möglichkeit besaß, in Deutschland zu leben. Seiner Sicherheitund seinem Leben drohte allerdings keine Gefahr. Das wußte erselber, und wenn er es später so darstellte, als habe er nur dieWahl gehabt, entweder in Spandau bei Wasser und Brot zu sitzenoder in Paris Austern zu essen, so ist das eine humoristisch ge-färbte Schilderung. Heine hätte unbehelligt in Deutschland bleiben,aber auch verhungern oder von des Onkels Gnade sein Lebenweiter fristen können. Der Abschied wurde ihm weder leicht nochwurde er leichtfertig genommen. Er kannte alle Gründe, die gegenein Verlassen des Vaterlandes sprachen, vor allem war er sichbewußt, daß er in Paris vom Dichter zum Journalisten herab-sinken würde. Dagegen bäumte sich alles auf, was vom Künstlerin ihm lebte. Später schrieb er,es zeugte von einem hohen Graddes Wahnsinns, daß man das Vaterland verließ". Das ist keineRedensart und kein Ausdruck nachträglicher Reue, sondern Heinewar sich durchaus klar, daß er in der Heimat den besten Teil vonsich selber zurückließ. Aber wie sich die Ereignisse entwickelt hatten,blieb ihm keine Wahl. Er mußte nach Paris ziehen, er mußte dieTat vollbringen, weil er sie gedacht.