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XII. Die Julircvolution
Vernunft will der Wanderer nichts wissen. Die Menschen denkennicht, sondern leben von Einfällen, und ihre Philosophie wird als„eitel Luft und Wasser" abgelehnt. Heine spottet zum ersten Maleüber Hegel. Noch in München hatte er gefordert, daß eine abfälligeBemerkung über dessen Lehre in den „Politischen Annalen" aus-drücklich als nicht von ihm herrührend kenntlich gemacht wurde.Die Gesinnnngsänderung ist durch die Politik hervorgerufen. Eszeigte sich immer mehr, daß die Hegelsche Philosophie eine Stützedes bestehenden Zustandes, eine Feindin jeder Neuerung war. Soführt diese Absage an die Philosophie nicht, wie man nach derEinleitung erwarten sollte, zurück in die Romantik, sondern vor-wärts in die Politik des Tages. Der Wanderer erreicht die StadtLucca. Er ist der Tag einer feierlichen Prozession. Sie ist meister-haft geschildert, scharf treten die einzelnen Typen der katholischenGeistlichen hervor, von dem armen beladenen Priester, gegen dener „nicht schreiben will", bis zu dem prunkreichen Erzbischof. Dasganze „diplomatische Korps Gottes" marschiert unter dem Schutzder Bajonette auf. Die unglückliche Verbindung von Thron undAltar, der der Haß des Verfassers gilt, wird vorgeführt. In derStadt trifft er seine alten Freundinnen aus dem Bad Lucca wieder,Mathilde und Franzeska. Sie haben ihren persönlichen Charaktereingebüßt, die Engländerin ist ganz Vernunft und Aufklärung, dieItalienerin ganz Glaube und Romantik. Die eine geht inbrünstig inder Religion ans, die andere hält sie mit Voltaire für einen großenVolksbetrug. Zwischen beiden wandelt der vr. Heine, dessen An-sicht die Mitte zwischen den zwei Extremen hält. Er ist religiösund doch religionslos, er ehrt die Religion, aber verwirft dieReligionen, er schwärmt für Christus, weil er „ein bescheidener Gottdes Volkes" war, ein „Bürgergott", un Kon ckisw eito/en, aberer lehnt das Christentum in jeder der bestehenden Formen ab.Die Reisebeschreibung wird zum religionspolitischen Exkurs.
Das Bild Max Klingers „Christus im Olymp" ist den Lesernbekannt. Der Heiland, der Schmerzensträger der Welt, tritt unterdie tafelnden hellenischen Götter, die vor ihm versinken. Die Idee