Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
313
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Hamburg 313

Ihr Wolken droben, nehmt mich mit,gleichviel nach welchem fernen Ort!

Nach Lappland oder Afrika,und sei's nach Pommern fort! nur fort!

O, nehmt mich mit sie hören nichtdie Wolken droben sind so klug!

Vorüber reisend dieser Stadt,

ängstlich beschleun'gen sie den Flug. (I, 231.)

Er lebte sehr zurückgezogen. Im Gegensatz zu seinem früherenAufenthalt hatte er fast gar keinen jüdischen Verkehr. Er mied dieJuden wie sie ihn. Durch die satirischen Gestalten Gumpelinosund Hirsch-Hyazinths hatte er es noch mehr als durch die Taufemit den ehemaligen Glanbensgenossen verdorben. Sie sahen in ihmeinen Feind und Verächter ihrer Religion, während er von andrerSeite wegen seiner Verhöhnung des Christentums verdammt undverfolgt wurde. Bei der religiösen Gleichgültigkeit seiner Familieblieben die Beziehungen zu seinen nächsten Angehörigen durch solcheZwischenfälle ungetrübt. Er scheint sogar die Verbindung mitdemunappetitlichen" Schwager Embden wieder aufgenommen zuhaben, zum mindesten bewahrte er die herzlichsten Gefühle für seineSchwester und deren Kinder. In das Haus des reichen Onkelskam er häufig, ebenso zu dem andern Bruder seines Vaters, demOnkel Henry, der dem launenhaften, von seiner Stimmung ab-hängigen Neffen stets die gleiche Güte und Nachsicht des älternVerwandten erwies. Er ist der einzige von seinen Angehörigen,mit dem der Dichter sich nie gezankt hat.

Den Verkehr mit den alten Freunden hielt er aufrecht, mitdem stets dienstgefälligen Merckel, dem geistreichen Zimmermann,dem schöngeistigen Assing, dem begabten Maler Lyser und demkunstbegeisterten vr. Sieveking. Neue Verbindungen kamen dazu,vor allem die mit August Lewald, der nach einer stürmischenJugend als Kaufmann, Sekretär im russischen Hauptquartier,Schauspieler und Theaterdirektor jetzt in Hamburg eine gesicherteStellung als Regisseur gefunden hatte und sich trotz seiner acht-unddreißig Jahre mit jugendlichem Eifer der Schriftstellern widmete.