ZY8 XII, Die Jnlirevolution
Aber der Aufenthalt zog sich in die Länge, nicht weil Heinesich allmählich in Hamburg einlebte, sondern weil sich ihm keineMöglichkeit zum Ortswechsel bot. Aus den Wochen wurden Monate,und mit kurzer Unterbrechung hat der Dichter seine letzten beidenJahre in Deutschland in Hamburg zugebracht. Er wohnte teilsbei der alternden Mutter, teils allein, offenbar je nachdem diespärlichen Honorare und die Unterstützung des Onkels mehr oderweniger reichlich.flössen und ihm den Luxus einer eigenen Wohnungerlaubten. Die Abhängigkeit von Salomon Heine war hier natürlichnoch unangenehmer und fühlbarer, wo sie nicht durch die Ent-fernung gemildert wurde; es kam denn auch wieder zu den üblichenReibungen und Auseinandersetzungen, bei denen der Dichter seinenGeldgeber wohl ärgern, aber selber nichts gewinnen konnte. Füreinen Mann, der die Dreißig überschritten hatte, boten diese studen-tischen Nadelstiche eine geringe Genugtuung, um so mehr schmerzteihn die Unfreiheit.
Wir sind über diese beiden Hamburger Jahre sehr schlechtunterrichtet, die zweifellos die unergiebigsten und unerfreulichstenim Leben des Dichters sind. Seine Briefe geben überhaupt wenigAufschluß über sein inneres Leben und mit den Jahren beschränkensie sich immer mehr auf geschäftliche Angelegenheiten und kon-ventionelle Mitteilungen selbst gegenüber seinen nächsten Angehörigen.Nur selten fällt eine Bemerkung, die einen Einblick in seine Em-pfindungen gestattet. Damals aus Hamburg schrieb er dem BruderMax, der als russischer Militärarzt den Krieg gegen die Türkenmitmachte, er beneide ihn, daß er „nur gegen die Pest zu kämpfen"habe. In dem Worte kommt die ganze Verstimmung des Dichterszum Ausdruck. Immer klarer wurde ihm der Mißgriff, den ermit seinem Ausfall gegen Platen begangen hatte. Die Schmäh-artikel häuften sich, die Freunde fielen von ihm ab oder wiesenihm die kalte Schulter. So sehr er Varnhagen für sein rührigesEintreten dankbar war, dieser allein vermochte die Sturmflut nichtzu bannen, die gegen Heine anrollte. Er selbst freilich lebte in demWahn, daß sehr viel zugunsten seines Buches geschrieben werde,