Bedeutung des Kampfes
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der Entwicklung und der gesamten Stellung Heines mußte es zu einemderartigen Konflikt kommen, und es ist dabei ziemlich belanglos, durchwelche Ursache er entstand und welchen Verlauf er nahm. Der Gegen-satz zwischen ihm und seiner Zeit war so stark, daß er irgendwiezum Ausbruch kommen mußte. Es ist bezeichnend, daß er PlatensSehnsucht nach einem schönen Freund nicht sentimental, wie sie ge-meint war, sondern als etwas Tatsächliches auffaßte. Dieses Miß-verständnis birgt den Kampf zweier Weltanschauungen, des modernenRealismus und der Sentimentalität der Vergangenheit, der ehr-surchtslosen Kritik der Gegenwart und der Tradition der Romantik.Heine fühlte selbst, daß er nicht nur seinen persönlichen Kampfführte, sondern daß er das Werkzeug größerer Zusammenhängewar. Mit mehr Recht, als er selbst ahnte, schrieb er an Varn-hagen: „Freilich glaubt jeder seine eigene Sache zu führen, währender doch nur das Allgemeine repräsentiert. — Ich sage das, weilich in der Platenschen Geschichte auf keine Bürgerkrone Anspruchmachen will, ich sorgte zunächst für mich —, aber die Ursachendieser Sorgen entstanden aus dem allgemeinen Zeitkampf." EineIronie des Schicksals aber war die Rollenverteilung in diesemKampf, die Heine, der innerlich stets ein Romantiker blieb, zumVertreter der neuen Zeit berief, Platen aber zum Vorkämpfer derRomantik stempelte, der ihr viel ferner stand als sein Gegner.Gerade dadurch wurde den Mitlebenden der sachliche Gegensatzvöllig verdeckt und sie sahen nur das unerfreuliche Schauspiel zweierschimpfenden Literaten. Selbst Goethe urteilte so und sagte im Ge-spräch mit Eckermann: „Platen ärgert Heine, und Heine Platen,und jeder sucht den andern schlecht und verhaßt zu machen, da dochzu einem friedlichen Hinleben und Hinwirken die Welt groß undweit genug ist." Gewiß, die beiden Dichter konnten nebeneinanderleben, der eine in Palermo, der andere in Hamburg, aber die An-schauungen, die sie vertraten, mußten sich kreuzen und feindlich be-gegnen, so lächerlich und ekelhaft der äußere Anlaß sein mochte.Goethe fährt in der zitierten Stelle fort, daß jeder von ihnen „schonin seinem eignen Talent einen Feind habe, der ihn hinlänglich zu
Wolsf, Heine 20