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XI. Der Kampf gegen Platen
Platen stand hoch über solchem Schmutz, seine etwas krankhaftePhantasie spielte mit derartigen Vorstellungen, aber sein Leben warrein, und von der Poesie im allgemeinen und der seinen im be-sondern hatte er die denkbar höchste Auffassung. Was nicht Goethewar, verachtete er. Er überschätzte sich selbst und in einer an-gemessenen Poeteneitelkeit versprach er die größten Kunstwerke, fürdie sein Talent nicht ausreichte. Er hielt sich für einen Geniusklassischer Richtung und lehnte die Romantik ab. In dieser Ab-neigung hätte er sich mit Heine finden können, sowie in der Ver-achtung des Deutschtums und in einer blinden Schwärmerei fürFreiheit. Noch mehr Berührungspunkte hatte er mit Jmmermann,und ein Bündnis Platen-Jmmermann wäre beinahe natürlichergewesen als ein solches zwischen Jmmermann und Heine. Platenwar keine agressive Natur. Wenn er trotzdem der herrschendenRichtung den Krieg erklärte, so geschah es teils aus ehrlichemIdealismus, teils aus persönlichem Ehrgeiz, um seine wahre Kunstgegen die falsche Muse der andern durchzusetzen, teils aus Freudean der aristophanischen Komödie, die er zu erneuern wünschte. Mitscharfem Witz und glänzendem Formtalent wandte er sich in der„Verhängnisvollen Gabel" gegen die Schicksalstragödie. Freilichetwas verspätet, und nicht mit Unrecht machte ihm Heine den Vor-wurf, daß er in Müllner einen Toten nochmals totgeschlagen habe.Seine zweite satirische Komödie sollte Jmmermann und die roman-tische Tragödie vernichten. Der Plan stand schon vor dem Erscheinenvon dessen Epigrammen fest und wurde infolge dieses Angriffesnur schärfer ausgeführt und mit persönlicher Gehässigkeit auf Heineausgedehnt. Unser Dichter erfuhr schon in München durch den be-freundeten vr. Kolb, daß Platen einen Ausfall gegen ihn vor-bereitete. Dieser selbst hatte ihn warnen und zur Rede stellen lassen,„was ihn zu dem Wagestück verleitet, einen offenbar Größeren, derihn zerquetschen könne, so unbarmherzig zu behandeln?" Heine hattein Florenz Gelegenheit, einen Freund Platens, den kunstverständigenFreiherrn von Rumohr, der damals als Cicerone des preußischenKronprinzen Italien bereiste, zu sprechen und hatte ihn bedeutet,