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Heinrich Heine
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Jmmermanns Angriff

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Aber wenn man ihm dies als mildernden Umstand zubilligt, sowird man ihm den Vorwurf nicht ersparen können, daß er miteiner selbst bei einem Dichter unentschuldbaren Leichtfertigkeit ver-fuhr. Er ließ sich in den Kampf ein, ohne die literarische Stellungseiner Gegner auch nur zu kennen. Er rechnete sie zu den blindenNachbetern der ihm verhaßten, abgewirtschafteten Romantik, er hattevon Jmmermann nur das unreife JugenddramaCardenio undCelinde", von Heine nur einzelne Gedichte gelesen. Selbst dieReisebilder", die den fürchterlichen Angriff enthielten, waren ihmfremd, aber diese Unkenntnis verhinderte ihn nicht, das schwersteGeschütz, das er besaß, gegen seine Feinde aufzufahren.

Platens literarische Stellung und das Wesen seiner Poesie istwie die Heines nur aus der Romantik zu verstehen, wenn er selbersich auch als Nachfolger Goethes betrachtete und mit seinen griechischenund persischen Rhythmen die beste Tradition des Altmeisters fort-zusetzen glaubte. Goethe suchte die innere, Platen nur die äußere Formder Hellenen und Morgenländer. Trotzdem war er ein großer Dichterund Heine selbst hat später die Poesie des ehemaligen Gegners sehrrichtig gewürdigt, sie lag nicht im Gemüt, sondern in einem inner-musikalischen Sinn. Seine Versuche mit ausländischen Metren warenverfehlt. Etwas Fremdartiges kann der Sprache nicht aufgedrängtwerden, sie muß sich selbst ihre Melodie schaffen, und Platens Be-strebungen beweisen nur, daß selbst das größte Formtalent in demungleichen Kampf unterliegen muß. Vielleicht war es gerade dasBewußtsein, daß sein ehrliches Wollen und hohes Streben nureinen halben Erfolg hatten, das ihn empfindlich gegen alle Angriffemachte. Eine entbehrungsreiche Jugend und die bitterste Armutverstimmten den kaum Dreißigjährigen. Er war menschenscheu undseiner Natur nach mehr weiblich als männlich organisiert. Er hattedas Bedürfnis, sich an einen stärkeren Genossen anzulehnen, undin diesem Bedürfnis, teilweise auch in einer mißverstandenen Nach-ahmung Shakespeares vermied er in seinen Gedichten die Frauen-liebe, pries die männliche Freundschaft mit erotischen Tönen, dieden Argwohn eines geheimen, unnatürlichen Lasters nahelegten.