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Heinrich Heine
Entstehung
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XI. Der Kampf gegen Platen

Aber diese gemütliche, fast idyllische Wirtschaft unterbrach plötzlich einDonnerwetter; ein vierschrötiger Kerl mit einem brüllenden Mordgcsicht stürzteherein und schrie etwas, das ich nicht verstand. Als beide Frauenzimmer ver-neinend die Köpfe schüttelten, geriet er in die tollste Wut und spie Feuerund Flamme wie ein kleiner Vesuv, der sich ärgert. Die Wirtin schien inAngst zu geraten und flüsterte begütigende Worte, die aber eine entgegen-gesetzte Wirkung hervorbrachten, so daß der rasende Mensch eine eiserneSchaufel ergriff, einige unglückliche Teller und Flaschen zerschlug und auchdie arme Frau geschlagen haben würde, hätte nicht die Tochter ein langesKüchenmcsser erfaßt und ihn niederzustechen gedroht, im Fall er nichr sogleichabzöge. Während dieser Szene kam der Liquor xnckro nicht im mindesten ausdem Geleise, mit geschäftiger Seelenruhe raffte er die Scherben vom Bodenauf, suchte die Teller zusammen, die noch am Leben geblieben, brachte mirdarauf: Znppa mit Parmesankäse, einen Braten derb und fest wie deutscheTreue, Krebse rot wie Liebe, grünen Spinat wie Hoffnung mit Eier und zumDessert gestovte Zwiebeln, die mir Tränen der Rührung aus den Augen lockten."

Ein solches Maß von Realismus war vor Heine noch nichtdagewesen. Diese Skizzen entsprechen den Gedichten derHeimkehr",die die Vorgänge in demeinsamen Jägerhaus" oder in der Fa-milie destoten Pfarrers" schildern. In beiden Fällen verfährt derDichter rein gegenständlich, fügt langsam Strich an Strich, bisdas Gesamtbild entsteht. Gerade diese kleinen realistischen Skizzengehören zu den besten Teilen der vorliegenden Reisebeschreibung,weil sie ganz Eigentum des Verfassers sind und ans der Unmittel-barkeit der Anschauung geschrieben wurden. Heine war daher fürseine Zeitgenossen Realist, aber seine Zeit und ihre Menschen wareneben Romantiker, und darum ist seine Schilderung Italiens wohlin den Einzelheiten realistisch, in der Gesamtheit aber romantisch.

Wir besitzen eine moderne humoristische Reisebeschreibung Italiensvon dem witzigen Amerikaner Mark Twain in seinenImrookntsnbroaä". Dort kommt ein moderner Jankee in das Land der Ruinenund der Kunst. Er besitzt ein gewisses Naturgefühl, aber sonstkeinerlei Bildung und nicht die geringste Hochachtung vor der Ver-gangenheit. Was ihm vor die Augen kommt, mißt er mit den Be-griffen, die er an den Ufern des Missisippi aufgelesen hat. Soäußert sich der moderne Realist, und wenn wir seine Schilde-