Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
283
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Bon München nach Genua

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die nur zum Zweck der Stimmungsmache in den unangebrachtestenMomenten auftaucht und in Genna der Reise als Bild einer seitJahrhunderten verstorbenen Frau einen zwar romantischen, aberweder effektvollen, noch durch die Sache gerechtfertigten Abschluß gibt.

Heine besitzt die Kunst, Stimmung zu erregen, in einem er-staunlichen Maße. Ein Paar Rosen, Lilien oder eine Nachtigallgenügt ihm, um den Leser über die Wirklichkeit in das Reich derRomantik hinauszuheben. Aber hier wird diese Fähigkeit zur Manier.Der Realismus hört plötzlich auf, und das Unwirkliche, das Traum-hafte, selbst das Spukhaste beginnt. InderHarzreise" hatte der Dichterselbst verständnisvoll erklärt, die Natur liebe wie der große Künstlerkeine schroffen Übergänge. Jetzt sucht er die denkbar schroffstenÜbergänge und verdirbt die einheitliche Stimmung. Er verblüfft,aber die Verblüffung ist eine Augenblickswirkung. Es kommt ihmmehr darauf an, ein Feuerwerk von Geist und Witz loszulassen,als zu erheben. Darunter leiden sogar die politischen Ausführungen.Man hat gar nicht den Eindruck, daß sie ernst gemeint seien, daß sieüberzeugen sollen, sondern daß der Verfasser vor dem Leser bril-lieren will. Heine besitzt Geist, er ist einer der geistreichsten Schrift-steller aller Zeiten, er besitzt einen blendenden Witz, wie er vor ihmin Deutschland unbekannt war, aber wenn Geist und Witz Selbst-zweck werden, sind sie unerträglich, ja sogar langweilig.

Die Zeitgenossen betrachteten Heines Reisebeschreibnng als einrealistisches Werk. Realistisch erschien ihnen schon das kecke Hervor-treten des Verfassers, der so dreist von allen seinen Menschlich-keiten, von Essen, Trinken, den Beschwerden der Reise, seinen Weiber-geschichten, ja selbst von dem italienischen Ungeziefer zu reden wagte.Das waren Dinge, die das deutsche Publikum nicht zu hören ge-wohnt war, noch dazu aus dem verklärtenLand, wo die Zitronenblühn". Heine vertritt das Leben und die frische Gegenwart, derenRecht er mit keckem Spotte den historischen Ansprüchen der Ver-gangenheit gegenüberstellt. Er schildert das italienische Leben, wiees sich vor seinen Augen abspielt, ohne jede Schönfärberei wie denZank in der Küche von Ala: