Vo» München nach Genua
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rung mit der Heines vergleichen, so fühlen wir erst, wie tief unserDichter in der Romantik steckt. Dem einen ist Italien eine Sehens-würdigkeit, dem andern eine Stätte geweihter Erinnerungen, überdie er wohl spotten kann, die er aber trotz des Spottes mit ehr-furchtsvollem Schauder betritt. Für den Amerikaner gibt es nichtsHeiliges, Heine erkennt es an, und vielleicht gerade am meisten,wenn er darüber lacht, wenn er sich von ihm frei zu machen sucht.Sein Italien gehört der Vergangenheit an, es steht im Gegensatzzu der österreichisch-christlichen Gegenwart. Es ist eine Ruine, seineBewohner sind krank, aber Krankheit ist in den Augen des Roman-tikers interessanter und vornehmer als pöbelhafte Gesundheit undLeiden bedeutet ihm im Sinne von Novalis eine Befreiung des Geistesund eine Lösung vom Körper. Über den Plätzen von Heines Italienbrütet ein romantischer Zauber, seine Italiener fühlen sich alsKinder einer Mutter, die träumend auf den Trümmern der Ver-gangenheit sitzt. Und sie folgen ihrem Beispiel, sie träumen, machenMusik, schwärmen, lieben und leiden. Das ist der Eindruck, denunser Dichter von Italien gewann. Er, der Politiker und Realist,bemerkte nichts von dem Risorgimento, das sich auf der Halbinselvorbereitete, nichts von den sehr praktischen Zielen der Italiener,nichts von ihrem allem Phantastischen abgeneigten Wirklichkeitssinn.Er will es auch gar nicht sehen, denn er ist ja nach dem Südengekommen, um zu genießen, um mit einem Volk von NichtPhilisternim Gegensatz zu den Münchner Biertrinkern zu lieben, zu träumenund zu leiden. Heine träumt wieder wie einst in der „Harzreise"und in den „Traumbildern" die seltsamsten Dinge. Selbst seinWachsein gleicht in diesem Zauberlande einem Traum, der ihn diefremdesten Gesichte, „tote Marien" und ähnlichen Spuk schauen läßt.Und natürlich leidet er. Leiden ist der gewohnheitsmäßige Zustanddes Romantikers, und hier im Süden ist das Leiden besondersschön. „Die Seufzer klingen in den zerbrochnen Marmorpalazziromantischer als in deutschen Ziegelhäusern und unter Lorbeerbäumenläßt sich wollüstiger weinen als unter mürrischen, zackigen Tannen."Das Leiden ist der Lebenszweck des Romantikers, und wenn er es