Journale sind unsre Festungen, Ich bin gewöhnlich faul und lässig,aber wo, wie hier, ein gemeinsames Interesse ganz bestimmt ge-fordert wird, da wird man mich nie vermissen." Er selbst warfreilich nur bereit, seinen Namen herzugeben, immerhin, sein Name wardamals viel wert und er selbst schätzte ihn gewiß nicht zu niedrig ein.
Sechs Wochen waren in Florenz verstrichen, und noch immerkam das ersehnte Schreiben Schenks nicht. Es war wohl dieseEnttäuschung, die Heine in eine starke nervöse Aufregung versetzte.Nur dadurch ist es zu erklären, daß ihn Plötzlich die ärgste Be-sorgnis nm seinen Vater ergriff und eine brennende Sehnsucht,ihn wieder zu sehen. Ein äußerer Anlaß zur Unruhe lag nicht vor,denn der Dichter hatte seine beiden Eltern in bester Gesundheitverlassen und auch unterwegs keine ungünstigen Nachrichten er-halten. Mitte November reiste er trotzdem von Florenz ab, seineAhnung hatte ihn nicht getrogen, in Venedig erhielt er die Mit-teilung, daß Samson Heine lebensgefährlich erkrankt sei. Der Sohnbeschleunigte die Heimreise so sehr er konnte, aber es war ihmnicht vergönnt, den Vater nochmals zu sehen. Schon in Würzburghörte er, daß jener nicht mehr am Leben sei.
Es war ein trauriger Abschluß der italienischen Reise. Traurignicht nur durch den Verlust des geliebten Vaters, sondern auchdurch die Vereitelung aller Hoffnungen, mit denen Heine Münchenim Hochsommer verlassen hatte. Der Dichter hatte kein Glück. Wennsich aber nach dem bekannten Goethewort das Glück nur dem Ver-dienst verbindet, so konnte er kein Glück haben. Er wollte ernten,ohne zu säen, und er säte, wo keine Ernte zu erwarten war. Erselbst erkannte begreiflicherweise das eigene Verschulden nicht, sonderner kam sich wie ein vom Unglück Verfolgter vor, wie einer vonden Menschen, für die nach dem harten Worte des englischenNationalökonomen Malthus, den Heine in Florenz eifrig gelesenhatte, ein Gedeck an der Tafel des Lebens nicht aufgelegt ist.
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