Italien
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lernte. In Verona bewunderte er das Amphitheater, in Mailanddie Brera und den Dom. Dann ging es weiter nach Genua, zuSchiff nach Livorno und zu eiuem längereu Aufenthalt in die Bädervon Lucea, die damals von einer internationalen guten Gesellschaftviel besucht wurden. Im Anfang störte ihn seine Unkenntnis deritalienischen Sprache. So klagte er Schenk, an den die meistenseiner vorhandenen Briefe aus Italien gerichtet sind: „Ich versteh'die Leute nicht und kann nicht mit ihnen sprechen. Ich sehe Italien,aber ich höre es nicht. Dennoch bin ich oft nicht ganz ohne Unter-haltung. Hier sprechen die Steine, und ich verstehe ihre stummeSprache. Auch sie scheinen tief zu fühlen, was ich denke. So eineabgebrochene Säule aus der Römerzeit, so ein zerbröckelter Longo-bardeuturm, so ein verwittertes gotisches Pfeilerstück versteht michrecht gut. Bin ich doch selbst eine Ruine, die unter Ruinen wandelt.Gleich und gleich versteht sich schon. Manchmal zwar wollen mirdie alten Paläste etwas Heimliches zuflüstern, ich kann sie nichthören vor dem dumpfen Tagesgeräusch; dann komme ich des Nachtswieder, und der Mond ist ein guter Dolmetsch, der den Lapidarstilversteht und in den Dialekt meines Herzens zu übersetzen weiß.Ja, des Nachts kann ich Italien ganz verstehen, dann schläft dasjunge Volk mit seiner jungen Opernsprache, und die Alten steigenaus ihren kühlen Betten und sprechen mit mir das schönste Latein.Es hat etwas Gespenstisches, wenn man nach einem Lande kommt,wo man die lebende Sprache und das lebende Volk nicht versteht,und statt dessen ganz genau die Sprache kennt, die vor einemJahrtausend dort geblüht, und, längst verstorben, nur noch vonmitternächtlichen Geistern geredet wird, eine tote Sprache."
Das ist gewiß eine stimmungsvolle romantische Betrachtung, undganz im Stil der Romantik ist es, daß ihr Verfasser, diese „Ruine unterRuinen", gleich darauf von seinen Eroberungen erzählt, die er ohneItalienisch nur durch die Sprache der Augen gemacht habe. Natürlichgibt es freundliche Italienerinnen, deren „Augen mit ihrer Bered-samkeit einem armen Tedesco tief ins Herz hineinglänzen", es fragtsich nur, ob es sich lohnt, wegen dieser Damen eine Reise zu macheu.
Wölfs, Heine 18