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Heinrich Heine
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X. Auf Wanderschaft

versitätsprofessor vorzustellen, selbst wenn man den romantischenNimbus berücksichtigt, der dieses Amt damals umgab.

Der Dichter selbst war seiner Sache so sicher, daß er den ausEngland geretteten Notpfennig für eine Vergnügungsreise ausgebenzu dürfen glaubte. Im April ließ er sich die achthundert Talervon Varnhagen kommen. Mit ihnen fnhr er Mitte Juli nach demSüden. Sein Bruder Max, der damals in München studierte, be-gleitete ihn bis an die bayerische Grenze. Wenn wir von derJtalienfahrt eines Dichters hören, so denken wir zunächst an dieGoethes und die ungeheure Einwirkung, die diese Reise auf seineWeltanschauung und seine Dichtung gehabt hat. Man darf Heinekeinen Vorwurf daraus machen, wenn sein italienischer Aufenthaltauch nicht annähernd eine ähnliche Bedeutung besitzt. Jede Zeitschafft sich ihr eignes Verhältnis zu dem gelobten Lande der Antike undder Renaissance. Das achtzehnte Jahrhundert fand dort die Krönungseines Idealismus, aber nachdem diese Tat verrichtet, nachdem dasGewand der Helena auf klassischem Boden erworben war, hatteItalien der deutschen Literatur im wesentlichen den Dienst geleistet,den es zu leisten vermochte. Von der Höhe des Ideales sank eszu einer Sehenswürdigkeit herab, und als solche hat Heine dasLand gesehen. Er bewunderte den Vorhof des Südens, denn weiterals Florenz ist er nicht gekommen, er erfreute sich an der Landschaft,betrachtete die Ruinen des Altertumes, bildete sein Kunstverständnisan den Bildern der großen Renaissancemaler, berauschte sich ander Musik Rossinis, aber einen tieferen, durchgreifenden Einflußhat die Reise nicht ausgeübt und konnte sie nicht ausüben. Heinewar viel zu sehr Romantiker, um aus der italienischen Gegenwartzu lernen, glücklicherweise aber auch Romantiker genug, um dieVergangenheit nicht als ein totes Museum, das mit Kunstschätzenvollgepfropft ist, anzustaunen. Die Steine blieben ihm nicht stumm,aber die Sprache, in der sie zu ihm redeten, ist die der Romantik,die er selber ihnen verlieh.

Die Reise führte ihn zunächst durch Tirol und über den Brennernach Trient und Ala, wo er zum erstenmal südliches Leben kennen