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X. Auf Wanderschaft
diesen feingebildeten Menschen, die Verständnis und Liebe für seineKunst besaßen, tat dem Dichter wohl. Der Russe Tutschew machtesogar selber Verse. Aber auch aus praktischen Gründen bevorzugteHeine die höhere Gesellschaft; er rechnete sicher darauf, daß sie ihmbei seinen Plänen nützen könne.
Im Grunde zog es ihn doch nach Berlin und er erwog aufsneue, ob er nicht auf Grund seiner Münchner Stellung ein Amtin Preußen erhalten könne. „In Bayern bin ich Preuße geworden",schrieb er an Varnhagen, aber die Fühler, die dieser ausstreckte,ergaben wohl, daß der Verfasser der „Reisebilder" von FriedrichWilhelm III. nichts zu erwarten hatte. So setzte er seine Hoffnungauf Ludwig I. Schon seine englischen Reiseberichte wurden mit be-sonderer Rücksicht auf den König geschrieben, von dem Heine wußte,daß er die „Annalen" regelmäßig las. In der Rezension des„Struensee" huldigte er dem Monarchen als einem „freien König, derüber ein freies Volk herrsche" und stellte der Stadt München von deniWirken des fürstlichen Mäzen „schöne Kunstfrüchte" in Aussicht.Der Boden war also gut vorbereitet, als er Cotta drängte, demFürsten die „Rcisebilder" und das „Buch der Lieder" in dieHände zu spielen. Er sollte ihm auch andeuten, „der Verfasserselbst sei viel milder, besser und vielleicht jetzt auch ganz andersals seine frühereu Werke. Ich denke, der König ist weise genug,die Klinge nur nach ihrer Schärfe zu schätzen, und nicht nach demetwa guten oder schlimmen Gebrauch, der schon davon gemachtworden". Daneben rechnete er auf den Minister des Innern Eduardvon Schenk, der wie sein Freund Michael Beer Dichter war undTragödien im nachschillerschen Jambenstil schrieb. Heine spottete zwarin seinen Briefen über die „zwei großen Dichter des Tages, dieDioskuren am Sternenhimmel der hiesigen Poesie", aber das ver-hinderte ihn nicht, den „Strunensee" des einen öffentlich zu beloben undden noch schwächeren „Belisar" des Ministers als ein Meisterwerkder dramatischen Kunst hinzustellen. Er suchte auf die Eitelkeit desDichters zu wirken, um von dem Staatsmann etwas zu erhalten.
Es handelte sich darum, Heine eine Professur an der Münchner