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X. Auf Wanderschaft
weit von seinen alten Eltern entfernen wollte oder daß er an eineAnstellung in Berlin dachte.
Die „Reisebilder" bedeuten einen Wendepunkt im Leben desDichters. Er selbst sprach damals das Huttensche Wort:
Der Würfel war gefallen. Aber nicht in freiem, klaren Entschluß hatteHeine den neuen Weg eingeschlagen, sondern die Ereignisse triebenihn und er ließ sich treiben. Er war Politiker geworden, wennnicht gegen, so doch beinahe ohne seinen Willen. Er hatte in seinenletzten Schriften das Programm der liberalen Opposition an-genommen, und der große Beifall, den sie fanden, legte ihn aufdieses Programm fest und stellte ihn mit einem Schlage in dievorderste Reihe der Kämpfer. Ein Zurück gab es nicht mehr. DerKampf war entbrannt, ohne daß Heine ihn in klarer Erkenntnisseiner Tragweite und seiner Folgen begonnen hatte. Jetzt mußte eraufgenommen und ansgefochten werden. Der Dichter selbst war vonder Wirkung überrascht. Er hatte durch sein kühnes Bnch Auf-sehen erregen und mit seinen wirklichen und vermeintlichen Feindenabrechnen wollen, aber es lag ihm fern, sich in einen dauerndenGegensatz zu Staat und Gesellschaft zu stellen. Noch in Londonrechnete er auf eine Anstellung in Berlin. Die Rolle des politischenFührers wurde ihm aufgedrängt, und er nahm sie an, berauschtdurch den ungeahnten Erfolg seiner „Reisebilder", bestimmt durchseine Eitelkeit. Es schmeichelte ihm, an die Spitze des liberalenHeerbannes zu treten. Aber selbst wenn er gewollt hätte, hätteer den Ruf kaum ablehnen können. Die Geister, die er beschworen,drängten ihn auf dem eingeschlagenen Pfad weiter. Wohl kamenihm Bedenken; er wußte, daß er nicht die Eigenschaften des Poli-tikers besaß, daß ihm die nötigen Kenntnisse, die volle Über-zeugungstreue und die selbstlose Hingabe an die Sache abgingen;er mochte auch fühlen, daß er den Dichter in sich preisgab, wenner in den Meinungskampf des Tages eintrat. „Sowie ein Dichterpolitisch wirken will, muß er sich einer Partei hingeben, und sowieer dieses tut, ist er als Poet verlogen", so äußerte sich Goethe zuEckermann; es ist bedauerlich, daß er die mahnenden Worte nicht