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Heinrich Heine
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Buch der Lieder

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voll auf sich wirken lassen, die sich wie der Glanz der Vvllmond-nacht über die Wirklichkeit breitet, alles Häßliche übergoldet, alleHärten verschwinden läßt und in der reinen Stimmung auflöst.Aber Heines Lyrik ist nicht verschwommene Mondscheinpoesie, siebraucht als Hintergrund und als Gegensatz eine realistische Welt,und gerade ans diesem Grunde hat sie bei ihrem ersten Erscheinennicht die Anerkennung gefunden, die ihr später zuteil wurde undnoch heute zuteil wird. Sie bietet eine Zuflucht vor einer Zeitder Unkunst, aber nur der weiß die Zuflucht zu schätzen, derdie entgvtterte Welt da draußen kennen gelernt hat. Darum istHeines Lyrik pessimistisch. Auch andre Dichter haben von unglück-licher Liebe gesungen, aber der Unterschied ist, daß unser Dichterin einer Welt steht und liebt, wo er unglücklich werden muß, daßseine Liebe von Anfang au zum Leiden verdammt ist. Auch dieserPessimismus lag bei dem ersten Erscheinen der Weltanschauungdes Volkes fern. Schopenhauer schrieb 1818 sein Lebenswerk, ohnedaß es beachtet wurde, dreißig Jahre später war es in den Händenaller Gebildeten. Der Pessimismus begünstigte die Aufnahme derHeineschen Lyrik.

Das sind Umstände, die die Einbürgerung seiner Poesie förderten,aber sie ist von solchen zeitlichen Strömungen unabhängig. Über-blickt man dasBuch der Lieder" von denJungen Leiden" biszurNordsee II", so erhält man erst durch diese Totalität eineVorstellung von dem lyrischen Reichtum des Dichters. Beinahejedes Lebeusgefühl ist ausgedrückt und oft in einer Form, die dasletzte Wort, die feinste Regung und das tiefste Geheimnis einerMenschenbrust kündet. Freilich überwiegt die sentimentale Seite,aber auch das ist ein Umstand, der die Menschen von heute zuHeine hinzieht. Der moderne Mensch betrachtet Kunst und Lebennicht als eine Einheit, sondern als unversöhnliche Gegensätze. Ausdiesem Zwiespalt ist Heines Lyrik erwachsen. Der Ozean ist maje-stätischer, das Mittelmeer schöner als die Nordsee, aber schwer-mütigen Träumen kann man besser an ihren grauen Ufern nach-hängen. Der moderne Mensch lebt nicht in der Poesie, sondern