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IX. Zwischen Dichtung und Pvlitik
prockilsotnon nrtistüguo. Dieser gemachte Klassizismus zeigt sichin dem zweiten Teil der „Nordsee". Der Meeresgott selber ist zwarnoch nordisch und trägt
eine Jacke von gelbem Flanell,und eine lilienweiße Schlafmütz',und ein abgewelktes Gesicht.
Aber seine Begleitung ist schon klassizistisch angekränkelt, nm ihnspuken Boreas, Charon, Erechtheus, Kastor und Polydeukes, kurzder ganze hellenistische Apparat, den schon das Barock benutzte,innere Leere durch äußere Gestalt zu ersetzen. Heine ist kein Grieche,er kann sich nur als Grieche verkleiden, dessen „tapferes Rückzugs-herz des Nordens Barbarinnen" bedrängen. Kein Grieche darf sichüber seine Geliebte den Witz erlauben:
Sogar des Morgens, beim Frühstück,
auf dem glänzenden Butterbrote,
sieht sie mein lächelndes Antlitz,
und sie frißt es auf vor Liebe — wahrhaftig!
Das sind nordische Geschmacklosigkeiten, die in einen „Gesaug derOkeaniden" nicht gehören. Auf der Höhe des ersten Teiles stehtwieder das vorletzte Gedicht „Im Hafen", eine Trinkphantasie, diees mit Hauffs „Bremer Ratskeller" aufnehmen kann. Es wareine geniale Idee des Antialkoholikers Heine, die Meeresstimmungin dem dionysischen Rausch des Weltalls ausklingen zu lassen. Hierhat er das Gefühl der Alleinheit wiedergefunden, das ihm in demzweiten Zyklus geschwunden war. Die ganze Welt löst sich in einemseligen Rausch auf, die Sonne selber
ist nur eine rote, betrunkene Nase,die Nase des Weltgeists;und um die rote Weltgeistuasedreht sich die ganze betrunkene Welt.
In diesem Gedicht reißt der Dichter uns noch einmal mächtig
empor, im ganzen aber steht diese zweite Abteilung unter derersten, und Heine täuschte sich wenn er sie für kühner und origi-neller hielt.
Aus einem Abstecher nach Holland, den er von Norderney