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VIII. Die ersten Reiscbilder
zu erfreuen. Unterwegs machen sie Bekanntschaften. Bald sind'sPhilister, über die sie spotten, aber sich doch ärgern, denn schondurch die Anwesenheit dieser Übeln Leute wird die Natur entzaubert,bald sind es Geistesgenossen, und dann ist es herrlich, dann istdie Welt gleich nochmal so schön. Sie singen und jubeln und ihreBrust weitet sich in einem unendlichen Glücksgefühl. Natürlichkönnen solche Leute nicht durch die Welt streifen, ohne sich zu ver-lieben. Der Student wie der Taugenichts liebt das schönste Mädchen,und so herrlich ist ihr Gefühl, so groß die Seligkeit, daß keineProsa sie aufnehmen kann. Beide dichten die hübschesten Verse.Das eine wie das andre Werk ist reich an lyrischen Einlagen.Des Nachts steht selbstverständlich immer der Mond am Himmel,und bei seinem Scheine erleben die Helden der beiden Dichtungenbeinahe noch schönere Dinge als am Tage. Eine traumlose Nachtkennen sie nicht, der Traum ist ja das eigentliche Leben des Roman-tikers. Freilich gibt es auch Unterschiede zwischen beiden. DerStudiosus Heine versäumt über dem warmen Kaffee den Sonnen-aufgang. Das brächte der Taugenichts nicht übers Herz. Aber seinKollege tut es auch nicht aus materiellen Gründen, sondern ausJugendübermut. Alle Welt bewundert den Sonnenaufgang znrfestgesetzten Stunde. Ein echter Romantiker haßt die Regelmäßigkeit,die Einhaltung einer bestimmten Zeit ist ihm ein Greuel, und außer-dem tut er nie, was andre Menschen tun. Der Unterschied ist alsonicht groß, kein Bruch mit der romantischen Stimmung, die dasGrundgefühl beider Werke ausmacht, dieser Mischung von liebens-würdiger Willkür, absoluter Zwecklosigkeit und göttlicher Faulheit.
So genießen wir heute die „Harzreise". Die Zeitgenossen hattenfür diesen romantischen Zauber viel weniger Gefühl. Sie warenja selbst Romantiker, und das, was für die Realisten von heutedas Außergewöhnliche ist, war für sie das Alltägliche. Für siehatte die Dichtung ein viel aktuelleres Interesse, sie erschien ihnen-wie ein kecker Jugendstreich, ich möchte beinahe sagen, wie eineschallende Backpfeife, die ein Wagemutiger unter tausend Feigenund Unentschlossenen einer alten Perücke versetzt, die sie durch ihr