Harzreise
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gespreiztes Ohrfeigengesicht herausfordert, eine Ohrfeige, die jedergern gegeben hätte, wenn er nur den Mut und die Dreistigkeitdieses Jünglings besessen hätte, der scheinbar gar nicht ahnte, welcheBefriedigung sein übermütiger Streich bei den Zeitgenossen erregte.Es war, wie Freiligrath später sagte:
In die Stickluft dieser Tage,dieses Büchleins kecken Schuß.
Ein schwerer Druck lastete damals auf den Gemütern, ein Un-behagen, eine Unzufriedenheit mit Welt und Menschen, die sich inempfindsamen Geistern bis zum Weltschmerz steigerte. Die Mensch-heit fühlte sich krank, man hatte die Empfindung, zwischen Ver-gangenheit und Zukunft in einer unbefriedigenden Gegenwart zuleben. Das Geschlecht, das 1793 und 1814 durchlebt hatte, littnach Mnssets Wort darunter, „daß alles, was gewesen, nichtmehr, daß alles, was werden wollte, noch nicht existierte". Ausder Vergangenheit ragte manche Ruine in die Gegenwart hinein,die nur, weil sie alt und grau war, mit Ehrfurcht angestauntwurde. Einrichtungen, die innerlich überlebt waren, forderten underhielten einen Respekt, den die neue Generation wohl als einenschweren Druck empfand, aber doch nicht abzuschütteln wagte, weilsie nicht stark und mutig genug war, um sich gegen dieses Systemerworbener Rechte aufzulehnen. Da kam ein kecker Student, einJüngling ohne jede Ehrfurcht vor der Würde des Alters, packtedie bezopften Pagoden mit rücksichtslosem Griff und zeigte, daßdiese längst abgestorbeneu Spukgestalten vor dem hellen Lichte desTages zerbrachen. Statt sie zu bewundern, lachte er über sie, undein schallendes Gelächter antwortete ihm von allen Seiten. Manschlug sich vor den Kopf, man rieb sich die Augen aus: War esmöglich? Von diesem Plunder hatte man sich imponieren lassen!
Das war der Eindruck, den die „Harzreise" auf die Mitlebendenmachte. Da war die prunkende Gelehrsamkeit der Georgia Augusta,die sich als eitel Dünkel auf den Genitiv von msusu und alsnichtige Zitatenwut der Professoren entpuppte, da wurde eine Juris-prudenz verspottet, die unter prahlerischem Wortschwall noch immer