Nordsee I
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holen. Die Nächte am Strand sind sehr schön, aber man kann sichdort einen bösen Schnupfen zulegen. In der schaukelnden Kajüteträumt sich gut, aber der verständige Mann schläft sich besser ans,und die Sehnsucht nach versnnknen Städten mit Glockengeläut undabgestorbnen Spnkgestalten bringt einen träumenden Dichter ineine recht bedenkliche Lage:
Und ich komme hinab zu dir,und mit ausgebreiteten Armenstürz ich hinab an dein Herz —
Aber zur rechten Zeit nochergriff mich beim Fuß der Kapitänund zog mich vom Schiffsrand,und rief, ärgerlich lachend:
Doktor, sind Sie des Teufels?
Aber derartige Wendungen in der „Nordsee" sind nicht mit:ähnlich klingenden der früheren Lyrik zu verwechseln, sie sind keineVernichtung der Stimmung, sondern fließen aus dieser selbst, ausHeines realistischer Auffassung des Meeres. Es ist gewaltig, groß-artig, bewundernswert, in seinem beständig wechselnden Reiz an-ziehend, aber doch wieder abstoßend, schroff, eckig, rauh und keinGegenstand für verträumte Dichter. Es zeigt keine klassisch stilisierteSchönheit, sondern nordische Derbheit. Nicht der Poet, sondern derfluchende Schiffer mit der holländischen Stummelpfeife zwischenden Zähnen ist der Mann dieses Meeres, der Vertreter diesesElementes, und der Dichter muß es sich schon gefallen lassen, daßihn die Wogen tüchtig umherwerfen und die Menschen aus seinenTräumen unsanft aufschrecken. Auch der Gott dieses Meeres istkein formenschöner Hellene, sondern ein knotiger, Witze reißenderNordländer, seine Frau ist ein plumpes Fischweib, und die Nereidensind „dumme" Mädchen, die über die Seemannswitze des Onkelsin ein dröhnendes Gelächter ausbrechen. Das ist eine andre Weltals die Homers. Heine hat die „Odyssee" an der Nordsee eifrig,gelesen,
Das alte, das ewig junge Lied,aus dessen meerdurchrauschten Blättern
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