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VIII. Die ersten Reisebilder
Ich gebe dir einen Hosstaat
von steifgeputzten Sonetten,
stolzen Terzinen und höflichen Stanzen;
als Läufer diene dir mein Witz,
als Hofnarr meine Phantasie,
als Herold, die lachende Träne im Wappen,
diene dir mein Humor.
Aber ich selber, Königin,
ich kniee vor dir nieder,
und huld'gend, auf rotem Sametkissen,
überreiche ich dir
das bischen Verstand,
das mir aus Mitleid noch gelassen hat
deine Vorgängerin im Reich.
Das Meer wird dargestellt sowohl als gewaltigste Naturerscheinungwie in seinem alltäglichen Betrieb, von dem Sturm bis zu demSchiffsjungen, der die Segel flickt und dem Kapitän einen Heringaus der Tonne stiehlt. Das ist für unfern Dichter die „Meeres-stille", denn er hockt nicht am Strande und schaut nicht nur sehn-suchtsergriffen auf die Fluten hinaus, sondern er fährt mit denFischern, er lebt mit den Schiffsleuten und er weiß, daß man dieStille, die kurze Zeit der Ruhe, nicht besser benutzen kann als zumAusschlafen, Segelflickcn und Essen. Der Realismus, der sich schonin der „Heimkehr" zeigte, bewahrt Heine davor, bei der Beschreibungder See in eine eintönige, pathetische Bewunderung zu verfallen.Wohl träumt er in der Abenddämmerung, schaut mit Entzückenin die untergehende Sonne, wacht am brausenden Strand in ein-samer Nacht, lauscht dem uralten Schlummerlied der Wogen, trotztunbedeckten Hauptes dem Sturm entgegen und zaubert sich ausdem Schöße des Meeres eine untergegangene Stadt hervor. Dasist sein gutes Recht, dafür ist er ein Dichter, aber er verliert nie-mals den festen Boden unter den Füßen. Alles steht plastisch vorihm; was sein Auge sieht, nimmt Gestalt an und belebt sich. Sonneund Mond sind ein Ehepaar, das sich infolge der Verleumdungen„zischelnder Zungen" verfeindet hat; in der Hütte des Fischers mußordentlich geheizt werden; es ist nicht nur Poesie am Meere zu