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Heinrich Heine
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VIII. Die ersten Reisebilder

mir freudig entgegenstieg

der Atem der Götter,

und der leuchtende Menschenfrühling,

und der blühende Himmel von Hellas.

Aber seine Phantasie wurde vom Norden beflügelt und seineGötter sind den hellenischen so wenig ähnlich wie die Chaucersoder Shakespeares. Das Wesen der nordischen Kunst ist, daß sie dasErhabenste und das Alltäglichste, das Höchste und das Niedrigste,also Tragik und Komik, Ernst und Scherz zusammenstellen kann.

Das ist der Unterbau der nordischen Poesie. Aber aus denTiefen, aus ihrem Realismus schwebt die „befreite Seele" emporzu den lichten Höhen, getragen von der Liebe und dem Glauben.Die eine erreicht ihren Höhepunkt in der hinreißenden Hymne„ Erklärung":

Und mit starker Hand, aus Norwegs Wäldernreiß' ich die höchste Tanne,und tauche sie ein

in des Ätnas glühenden Schlund, und mit solcherfeuergetränkten Riesenfederschreib' ich an die dunkle Himmelsdecke:

„Agnes, ich liebe dich!"

Jedwede Nacht lodert alsdanndort oben die ewige Flammenschrift,und alle nachwachsende Enkelgeschlechterlesen jauchzend die Himmelsworte:

„Agnes, ich liebe dich!"

Der Glaube offenbart sich in der Christusvision des Schluß-gedichtes. Eine Steigerung über den Mythos des friedespenden-den Gottmenschen, der liebend Land und Meer in seine geöffnetenArme aufnimmt, gibt es nicht, nichts Höheres als die zum Glaubengewordene Liebe. Es gibt blöde Menschen, die sich diese Poesiedurch den Gedanken stören lassen, daß sie das Werk eines glaubens-losen Juden sei. Auch das „Hohe Lied" ist von einem Indengeschrieben. Heine selbst hat den Nörglern vorgearbeitet. Auch er— der Mensch — mußte bekritteln, was der Dichter geschaffenhatte, und so fügte er der herrlichen Vision einen schmählichen