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VIII, Die ersten Reisebilder
wird gerade in den besten Liedern vermieden zugunsten eineshöheren, inneren Rhythmus, der mehr durch den Sinn als durchdie Form bedingt ist. Heine hat unermüdlich gefeilt, er war einsehr gewissenhafter Arbeiter, aber es gehörte nicht nur sein emsigerFleiß, sondern auch sein für Klangwirkung äußerst geschärftes Ohrdazu, um bei aller Freiheit vom Versschema den erstrebten Wohl-klang und leichten Fluß der Strophen zu erreichen. Nehmen wirden Schlußvers von Nr. 24:
Du stolzes Herz, du hast es ja gewollt!
Du wolltest glücklich sein, unendlich glücklich,oder unendlich elend, stolzes Herz,und jetzo bist du elend.
Die Periodisierung ist wie in Prosa, der Reim fehlt völlig, derRhythmus ist unregelmäßig und fällt kaum ins Ohr, kein Bilchkein Vergleich, kein gehobener Ausdruck, und doch ist es Poesie,ja gerade durch die Einfachheit und Selbstverständlichkeit die höchstePoesie, während der erste Vers, in dem der Verfasser sich mit demRiesen Atlas vergleicht, sich daneben wie gespreizte Unnatur ausnimmt.
Die „Heimkehr" zeigt Heine sicher auf der höchsten Stufe seineslyrischen Könnens, aber die Kunst ist schon so gesteigert, selbst dieEinfachheit schon so raffiniert, daß ein Fortschritt darüber hinausnicht mehr möglich ist. Diese Kunst trägt schon die Spur desVerfalles in sich. Sie wird zur Mache, und es finden sich bereits indiesem Zyklus Lieder, die nicht mehr gedichtet, sondern gemacht sind.
Der ersten Ausgabe der Sammlung waren fünf Gedichte bei-gegeben, die einen balladenartigen Charakter tragen. Die erstenbeiden, „Götterdämmerung" und „Ratcliff", die im ersten Druckals Traumbilder bezeichnet waren, stammen aus Heines besterByronperiode. Nirgends ist seine Abhängigkeit von dem eng-lischen Vorbild so stark, und es ist verwunderlich, daß der ge--reifte Dichter noch das Bedürfnis fühlte, die beiden Stücke neuherauszugeben. „Almansor" und „Donna Clara" gehören der Zeitder ärgsten Feindschaft gegen das Christentum an. Die Tendenzwird in dem einen in pathetischer, in dem andern in satirischer