Der erste Band
197
mußte etwas herausgeben, und da dachte ich: wenn das Buch auchkein allgemeines Interesse anspricht und kein großes Werk ist, soist doch alles, was darin ist, auf keinen Fall schlecht zu nennen."Auch sonst betonte er, daß ihn praktische Gründe, weil er mehrdenn je des Ruhmes bedürfe, zur Herausgabe bestimmten, auf derandern Seite war er sich aber klar, daß sein Werk nicht ausdie Neugier berechnet sei und nicht bloß das Interesse des Tageserregen wolle. Es kostete ihn Mühe, wie er dem befreundetemSimrock schrieb, alle Polemik zu unterdrücken, aber er bezwanzsich, um ein Kunstwerk zu geben, und eine große künstlerische Tatist dieser erste Band der „Reisebilder".
Die „Heimkehr" (I, 93ff.) mit ihren 88 Liedern, die wieder wiein den früheren Sammlungen keine Überschriften tragen und sichdurch die fortlaufende Numerierung schon äußerlich als Teile einesGanzen darstellen, bildet einen geschlossenen Zyklus wie das „LyrischeIntermezzo", zum Unterschied von diesem sind aber die neuen Ge-dichte nicht wie die alten zeitlich rasch hintereinander und aus einereinheitlichen Stimmung geschrieben, sondern sie verteilen sich aufmehrere Jahre und entstammen ganz verschiedenen seelischen Zu-ständen. Die Einheit war schwer zu erreichen, und es bedurfte dergroßen Regiekunst des Dichters, um die einzelnen Lieder so zu-sammenzustellen, daß sie wenigstens äußerlich ein Ganzes bildeten.Aber die Nähte ließen sich nicht völlig verdecken, eine innere Einheit,die Einheit der Stimmung, ist nicht erreicht. Schon dadurch unter-scheidet sich die „Heimkehr" zu ihrem Ungunsten von dem „Inter-mezzo". Der Gesichtspunkt, unter dem der Dichter das Heterogenezusammenstellte, ist der Gedanke, daß er aus seiner verzweifeltenStimmung zu einer neuen Liebe erwacht, die aber wieder trostlosausläuft und ihn in banger Sehnsucht nach dem Tode zurückläßt.So beginnt der Zyklus mit den Versen:
In mein gar zu dunkles Lebenstrahlte einst ein süßes Bild;nun das süße Bild erblichen,bin ich gänzlich nachtumhüllt.