182 VII. Abschluß des Studiums
Je energischer Heine in die Politik trat, desto mehr näherte er sichmerkwürdigerweise dem „alten Kunstgreis". Er erkannte, daß erbei dem „großen Heiden" aushalten müsse im Kampfe gegen diedeutsche „Nationalbeschränktheit und den Pietismus". Die Ahnungdämmerte ihm auf, daß Goethe nicht nur Dichter war, sonderndie höchste Zusammenfassung des damaligen europäischen Geistes.Goethe selber, dem Mann des objektiven Denkens und der klassischenWeltanschauung, war Heines Art sicher unsympathisch, ebenso wiedie Kleists. Beide kamen zu ihm: „Ich lasse dich nicht, du segnestmich denn." Er hat sie nicht gesegnet. Es war nicht seine Schuld,aber bedauerlich bleibt es doch, seiu Lob hätte Deutschland zweigroße Dichter erhalten können.
Im April 1825 tat der Dichter die ersten Schritte zum Examen.Er richtete das damals übliche lateinische Gesuch, die litsra. potikoriu,an den Dekan der Fakultät, daß er mit den höchsten juristischenEhren geschmückt zu werden wünsche. Sehr kleinlaut entschuldigt ersich am Schlüsse dieses Schriftstückes wegen seiner mangelhaftenKenntnisse, er habe aber in den sechs Studienjahren mehr für seineAllgemeinbildung als für das spezielle Fach gearbeitet und daherdie Rechtskollegien zugunsten der literarischen und philosophischenvernachlässigt. Auch auf die Kopfschmerzen verweist er als Mil-derungsgrund. Das Examen war damals nicht schwer. Eine schrift-liche Arbeit war nicht erforderlich, eine Exegese über zwei Stellendes Corpus juriL genügte. Die beiden, die Heine vorgelegt wurden,boten keine nennenswerten Schwierigkeiten und er scheint sich mitihnen gut abgefunden zu haben.
Ehe es zum Abschluß des Examens durch die Promotion kam,tat er einen wichtigen Schritt, er trat zum Christentum über. Umjedes Aufsehen zu vermeiden, wurde der Taufakt am 28. Juni 1825nicht in Göttingen, sondern in Heiligenstadt, dem Hauptort despreußischen Eichsfeldes, vollzogen. Als Geistlicher fungierte der dortigeSuperintendent Gottlob Christian Grimm, als einziger Pate seinzufälliger Gast, der Pfarrer Bonitz aus Langensalza. Heine hatteoffenbar keinen seiner Freunde in das Geheimnis eingeweiht, sonst