Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

Göttingcn

173

Mitarbeiterschaft an dem angesehenen „Göttinger Gelehrten Anzeiger"ein. Die Professoren trugen seinen Jahren und seiner literarischenBedeutung Rechnung, und nichts lag ihnen ferner, als dem Dichterdie Jugendstreiche zu vergelten, wie er befürchtete.

Von seinen ehemaligen Genossen weilte keiner mehr in Güttingen,sie hatten zumeist ihr Studium schon abgeschlossen. Neue Freund-schaften traten an die Stelle der alten, die Brüder Wedekind, mitdenen sich Heine gern über Kunst und über seine eigenen poetischenPläne unterhielt, Donndorf, den er später in Paris wieder traf,Adolf Peters, dessen übersinnliche, blutleeren Reimereien den Spottunseres Dichters erregten, und Karl Otto von Raumer, der späterals preußischer Kultusminister den „Romanzero" seines Universitäts-freundes verbot und die beschlagnahmten Exemplare einstampfenließ. Damals freilich war er ein schwärmender Jüngling, der beider Lektüre des Buches „Le Grand" Tränen vergoß. Der Dichterhat sich bei diesem zweiten Göttinger Aufenthalt mehr in dasstudentische Leben eingelassen als beim ersten. Der ehemaligeBurschenschafter verkehrte jetzt viel bei der Landsmannschaft „West-salia". Für den Fechtboden hatte er immer Interesse gehabt, undso war er jetzt bei den meisten Mensuren als Sekundant, Zeugeoder Unparteiischer beteiligt. Er hat sogar selbst nochmals einenandern Studenten herausgefordert, doch ist nicht bekannt, ob derZweikampf ausgefochten wurde. Bei einem früheren Duell hatte sichHeine zwar mutig, aber auch sehr ungeschickt benommen.

Er genoß mit seinen zwanzig Semestern seit Abgang von derSchule die Vorrechte des „bemoosten Hauptes". Die Bekannten derdamaligen Zeit berichten von Heines unverwüstlicher Heiterkeit, dienur gelegentlich durch sein schlechtes körperliches Befinden gestörtwurde, sie erzählen auch von zahlreichen Studentenstreichen, an denener beteiligt war, von seinen treffenden AnWorten und von lustigenAnekdoten, die er vortrug. Der Dichter muß sich im großen undganzen in dem langweiligen Güttingen und trotz der verhaßtenJuristerei recht wohl gefühlt haben. Vermutlich trugen dazu wenigerdie Freuden des akademischen Lebens bei, für die der Siebenundzwanzig-