168
VII. Abschluß des Studiums
freut. . . . Nächst mir selber hätte ich sie keinem lieber gegönnt alsdem vr. Halle." Diese spaßhafte Wendung allein besitzt natürlich keineBeweiskraft, aber wenn man sie, wie es Ernst Elster getan hat, mitandern Äußerungen zusammenhält, in denen allerdings kein Namegenannt wird, so kann man an dieser zweiten Liebe Heinrich Heinesnicht zweifeln. Wir verdanken es diesem ausgezeichneten Forscher,daß wir von dieser Neigung überhaupt etwas wissen, die nochStrodtmann völlig entgangen war. Wenn ich auch Elsters Beweisnicht im vollen Umfange zustimme und es nicht für zulässig halte,aus den Gedichten Schlüsse auf den wirklichen Verlauf der Er-eignisse zu ziehen, so bleibt doch genug übrig, um diese Liebe zurGewißheit zu erheben. So schrieb der Dichter über den tiefen Ein-druck seines Hamburger Besuches an Moses Moser: „Zu gleicherZeit wirkte die Magie des Ortes furchtbar auf meine Seele, undein ganz neues Prinzip tauchte in derselben auf; dieses Gemüts-priuzip wird mich wohl eine Reihe Jahre lang leiten und meinTun und Lassen bestimmen. Wär' ich ein Deutscher ... so würdeich Dir über dieses Thema lange Briefe, große Gemütsrelationenschreiben; aber doch sehne ich mich danach, Dir in vertrauter Stundemeinen Herzensvorhang aufzudecken und Dir zu zeigen, wie dieneue Torheit auf der alten gepfropft ist." Das kann doch nurheißen, daß Heine eine neue Liebe empfand, daß diese in Beziehungzu der alten stand und daß er damit rechnete, daß diese Neigungeinen bestimmenden Einfluß auf seinen Lebensweg ausüben würde.
Ob es schon wie Elster meint, im nächsten September zu einerErklärung gekommen ist, die aber von der kaum den Kinderjahrenentwachsenen Therese nicht verstanden wurde, kann zweifelhast er-scheinen; sicher ist, daß Heine Haniburg mit einer neuen Liebe imHerzen verließ, die ihn teils mit Hoffnung, teils mit Sorge, teilsmit einem gewissen Schauder vor sich selbst erfüllte. Diese zweiteLiebe war ja ein Bruch mit der Byronstimmung, in die er sich soschön hineingelebt. Es war also nicht richtig, daß das Herz nureinmal lieben könne und nach dem ersten Schlage ewig unglücklichund leer bleiben müsse. Es ist begreiflich, daß der Dichter den